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Soll in der Predigt vom Handeln Gottes die Rede sein?

Textgrundlage: Knieling, Reiner: Predigtpraxis zwischen Credo und Erfahrung

Der Erfolg der Predigt liegt an der Predigt oder am Prediger selbst? Der deutscher Missionär Reinchard Bonnke predigt das Evangelium in Indien. Mehr als 1 Mio. Menschen kamen seine Predigt zu hören!

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Einleitung

Reiner Knieling führt das ganze Handeln Gottes nur auf drei Ereignisse zurück: «Aufgrund der jeweiligen kirchlichen Bedeutung konzentriert sich die Untersuchung auf folgende drei Festkreise des Kirchenjahres: Weihnachten, Passion, Ostern.» Alle diese drei Arten des Handelns Gottes kann man aber mit Recht für ein Handeln halten, und zwar für das Heilshandeln Gottes: Gott ist als Mensch auf die Erde gekommen (Weihnachten), hier gestorben (Passion) und auferstanden (Ostern), nur um der Rettung des Menschen willen. Zwar ist das Aufteilen des Handelns Gottes auf diese drei Aspekte absolut nicht üblich. Ein klassisches Aufteilen des Handelns Gottes wäre die Erstreckung des Handelns Gottes auf Schöpfung, Versöhnung, Erlösung und Vollendung der Welt.

Gliederung

Die Arbeit ist in vier Kapitel gegliedert. Der eigentliche Inhalt des Themas ist auf drei Kapitel: “Probleme: Argumente dagegen”, “Perspektive: Argumente dafür” und “Zusammenfassung: Versuch einer Antwort” verteilt: die Absonderung der positiven und negativen Voraussetzungen in ein eigenes, selbstständiges Kapitel ermöglicht meiner Meinung nach, alle Argumente genauer abzuwägen, um in Kapitel IV zu einer konkreten Antwort auf die Frage zu kommen, ob in der Predigt die Rede vom Handeln Gottes sein sollte.
Das Literaturverzeichnis ist wie Гјblich am Ende der Arbeit angefГјgt.

Fragen

Das eigentliche Thema der Arbeit ist selbst als Frage formuliert, so dass es die Aufgabe der gegebenen Arbeit ist, Antwort darauf zu geben, ob in der Predigt die Rede vom Handeln Gottes sein soll. In den ersten Kapiteln «Probleme: Argumente dagegen» und «Perspektive: Argumente dafür» müssen - wie schon aus ihren Titeln klar hervorkommt – negative und positive Argumente besprochen und abgewogen werden, um in Kapitel IV «Zusammenfassung: Versuch einer Antwort» die Frage des Themas deutlich zu beantworten.

Charakteristik der Quelle
In der В«EinleitungВ» zu dem Buch bestimmt der Autor das Ziel seines Werkes folgendermassen: В«Das in der Predigt gewagte Wort wird im Gottesdienst der christlichen Gemeinde zugesprochen und ist somit inhaltlich dem verpflichtet, was die christliche Kirche bekennt und lehrt. Um diese sachliche Verpflichtung der christlichen VerkГјndigung geht es in der vorliegenden Untersuchung.В»

Die Gliederung ist bei dem Verfasser in einem eigenen Paragrafen «Aufbau und Vorgehensweise» erklärt: jeder einzelne von den o.g. drei Festkreisen des Kirchenjahres - Weihnachten, Passion, Ostern – ist noch in drei Teile gegliedert:
der 1. Teil = Predigten und Predigthilfen, die auf ihren theologischen Gehalt hin analysiert sind;
der 2. Teil = theologische Erwägungen, wo diese Predigten und Predigthilfen beurteilt werden;
der 3. Teil = Erörterungen der Predigtpraxis. Hier sind die Ergebnisse der Erwägungen dargelegt.

Dass der eigentliche Inhalt mit den Osterpredigten angefangen wird, hat bei ihm theologische Gründe: «Mit dem, was an Ostern gefeiert wird, ist der christliche Glaube entstanden. Dass der auferstandene Jesus von Nazareth seinen Anhängern erschienen ist, ist Grundlage der Ausbreitung des christlichen Glaubens. Von Ostern her wird dann auch der Weg der Passion Jesu gedeutet und die Frage beantwortet, wo der herkommt, den Gott auferweckt hat (Weihnachten).»

Der Autor hat die dem Thema des Buches entsprechenden Predigten und Predigthilfen untersucht.

Zur Aktualität des Themas
Das Thema ist zum Erforschen vor allem deswegen aktuell, weil die Fragen, welche in der gegebenen Arbeit zu beantworten sind, fГјr homiletische Forschungen lebendig und universal sind: eigentlich fast jede Predigtvorbereitung wird diese Fragen immer wieder neu aktualisieren: was ist das Handeln Gottes Гјberhaupt? Was hat es mit dem modernen Predigtadressat zu tun? Wie kann die Predigt das Medium dieses Handelns Gottes in unser Dasein werden? Ob alle Predigten schon immer vom Handeln Gottes reden? oder ob die Predigt selbst Handeln Gottes ist? u.Г¤.

Ideologischer Hintergrund

,welcher möglicherweise zu einem Fehler führen könnte, ist meiner Meinung nach der denominationelle Unterschied der Predigten vom Handeln Gottes. Das bemerkt der Autor selbst: «Auf welche Aussagen würden Sie Wert legen, bei welchen anderen zu knurren beginnen? Dieses Identifikationsspiel kann man auch im Blick auf andere Konfessionen unternehmen. Was hat aus seiner Sicht ein katholischer Kollege, was dagegen aufgrund seiner Tradition und seiner Spiritualität ein orthodoxer Priester zu meinem Text zu sagen?» Dieser offensichtliche interkonfessionelle Sinnunterschied zwingt mich an der Stelle zu sagen, dass in der gegebenen Arbeit hinsichtlich des dogmatischen Begriffes „Handeln Gottes“ die Position des evangelischen Theologen dargestellt sein wird.

Ideologischer Hintergrund

Probleme: Argumente dagegen

Spezifika des christlichen Verständnisses des Handelns Gottes
Das Spezifikum einiger sehr wichtiger Gottes Erscheinungen in der menschlichen Welt durch Sein Handeln bzw. Wort ist diejenige Basis, auf welche das Buch «Predigtpraxis zwischen Credo und Erfahrung» gebaut ist: wie schon in der Einleitung gesagt worden ist, wurden vom Autor die drei wichtigsten christlichen Ereignisse gewählt: Weihnachten, Passion und Ostern. Diese Themen gehören zu den Spezifikationen des christlichen Glaubens, indem sie Distanz zur allgemeinen menschlichen Erfahrung haben: an Weihnachten ist es das aussergewöhnliche Ereignis der Inkarnation, in der Passion – die Unverständlichkeit der Kreuzigung des Sohnes Gottes und zu Ostern – die Auferstehung. In diesem Zusammenhang bespricht der Verfasser das Problem des Predigens vom spezifisch-christlich verstandenden Handeln Gottes. «Wenn Christen beschreiben können, was für sie Gottes sakramentales Handeln bedeutet, dann ist es leichter zu akzeptieren, dass das Handeln Gottes an sich nicht vollständig in Kategorien der von Raum und Zeit geprägten Logik beschrieben werden kann.» - so erklärt R. Knieling das, wo seiner Meinung nach die Distanz der o.g. Ereignissen zu dem menschlichen Verstand liegt. Eben deswegen, dass das Handeln Gottes die menschliche Zeit-Raum-Dimension übersteigt, beschreibt er ziemlich oft das Handeln Gottes mit dem Epitheton «sakramentales». Auf diese Weise hebt in diesem Problem besonders die Passionspredigt hervor, die der Autor in diesem Zusammenhang deswegen am ausführlichsten bespricht:

Passionspredigt

Wegen der Schwierigkeit, dieses Geschehen vom normalen menschlichen Gesichtspunkt der Vernunft her zu begreifen, entsteht als logische Folge das Problem, wie die Kreuzigung als Handeln Gottes (wenn man dieses Ereignis überhaupt dem Handeln Gottes zurechnen kann) gepredigt werden muss. Für die menschliche Erfahrung und deren Verständnis – betont R. Knieling – wäre die Rede in der Predigt darüber ganz unklar, dass Gott Seinen eingeborenen Sohn ans Kreuz nageln lässt: in erster Linie, weil Gott in der christlichen Weltanschauung als Liebe verstanden wird und in zweiter Linie, weil unter diesem Alltäglichen keine Aussergewöhnlichkeit verborgen ist, um zu sagen, dass darunter bzw. darin die Hand Gottes sichtbar sein kann, denn der gewaltsame Mord ist für jeden, der potenziell als Predigthörer/in betrachtet werden kann, alltägliche Wirklichkeit, um so mehr heute – dank der modernen Massenmedien, durch welche dies in allen Ausführlichkeiten (durch Fernsehen) ins Haus gebracht wird. Wenn heute nach der Beteiligung Gottes in solchen tragischen Ereignissen gefragt wird, dann gerade nicht in dem Sinn, wo und wie genau hier Gott sich äussern lässt, sondern im umgekehrten Sinn: warum war Gott in aller Seiner Allmächtigkeit nicht da? «Wo war denn Gott?» - ist die übliche menschliche Frage in solchen Situationen. 

R. Knieling markiert in Bezug auf das Reden auf der Kanzel in der Kirche Гјber die Kreuzigung drei problemhafte Seiten:

  • Widrigkeit zwischen Gott als summum bonum und dem Ereignis der Kreuzigung (Theodizeefrage);
  • В MГ¶glichkeit der Implikation dieses Ereignisses heute auf den Einzelnen persГ¶nlich;
  • В MГ¶glichkeit, die ErlГ¶sungsmechanik zu deuten.

Diese drei problematischen Aspekte können die Fragestellung darüber, ob es sich überhaupt lohnt, die Rede vom Handeln Gottes mindestens in der Passionsrede zu führen, als völlig legitim erweisen, weil diese oben erwähnten Aspekte schon von ihrer dogmatischen Seite her unheimlich kompliziert und bisher nicht eindeutig in der Theologie beantwortet sind. Wegen dieser drei Punkte a) bis c) gibt es die Gefahr besonders in der Passionspredigt, einen falschen Gesichtspunkt einzunehmen.
Eine von den real möglichen Gefahren in der Passionspredigt besteht darin, dass in ihr der Sterbeprozess (exemplum) zum bewussten oder unbemerkten Schwerpunkt des ganzen Inhaltes gemacht werden kann und auf diese Weise selbst das Gewicht des Hinweises der Predigtrede auf das sakramentale Handeln Gottes unvermeidlich verschoben sein wird, weil es völlig unklar wird, worin sich genau in der Kreuzigung des Sohnes Gottes das Handeln Gottes gezeigt hat. Eine weitere nicht geringere Gefahr bei der Wahl des Handelns Gottes als Zentrum des Themas der Passionspredigt, die vom Autor unter den Punkt b) geordnet ist, ist die Parallelität in den Beispielen und Begebenheiten des ausserordentlichen und einzigartigen Todes Jesu Christi am Kreuz mit dem Tod aus der menschlichen Erfahrung. Diese beiden Todesfälle stehen völlig konträr zueinander, so dass hier überhaupt keine Parallelität möglich ist. R. Knieling hält dazu mit Recht die menschliche Erfahrung in dieser Frage für einen solchen Vergleich absolut nicht hinreichend. Jeder beliebige Menschentod kann nicht mit diesem einzigartigen, nur einmal in der Geschichte auftauchenden Tod des Sohnes Gottes verglichen werden. Solche inhaltlichen Parallelen führen unvermeidlich zu einem falschen Verständnis der Hörer solcher Predigt. Ein weiterer kriminell grober Fehler wäre nach Knieling, in der Passionspredigt vom Kreuz als von einer 'Heilsnotwendigkeit' zu reden, denn «das Kreuz ist Menschenwerk und nicht die Vollstreckung göttlichen Willens...» Und obwohl viele Theologen die Meinung, dass der Kreuzestod nicht einmal der heilsnotwendige Teil des Planes Gottes für die Menschheit ist, ablehnen würden, kann man doch ziemlich sicher feststellen: wie es auch immer sein mag, eine solche Synthese des Themas über das Handeln Gottes und über die Heilsnotwendigkeit des Kreuzes in einer Predigt entspricht nicht der Aufgabe der Entfaltung des Themas des Handelns Gottes in der Passionsrede. Wenn es recht also ist, dass: «Die Dimension des Heilshandelns Gottes bei der Kreuzigung Jesu tritt nicht nur faktisch oder aus Unsicherheit in den Predigten und Predigthilfen zurück, sondern wird auch ausdrücklich abgelehnt.», dann hat die Passionspredigt keinen Platz für die Rede vom handelnden Gott. Der Autor meint, dass, wenn das Kreuz den Hörer(n)/innen in der Predigt anders als Menschenwerk vorgestellt wird, dann könne man sagen, dass die Predigt überhaupt umsonst gehalten wäre. (Das Gegenargument dafür ist auch bei Knieling zu finden und wird im Kapitel «Perspektive: Argumente dafür» dargestellt.)

Folgendes Argument gegen die Rede vom Handel Gottes in der Predigt könnte man aus der Bibel entnehmen und sagen, dass die Verkündigung irgenwelcher Beteiligung Gottes im Geschehen dessen, was vor zweitausend Jahren auf Golgatha stattfand, doch als barer Unsinn erscheint. Die Besonderheit dieses Ereignisses für das Verständnis und deswegen auch für die Predigtrede wird schon vom Apostel
In der zweiten Hälfte des 1. Kapitels des 1. Briefes an die Korinther sind also ganz deutlich zwei Begriffe einander gegenüber gestellt, die das Predigtwort über das Kreuz verallgemeinern: entweder ist eine solche Predigt  moria , oder sofia ; und es hängt allein von dem ab, an wen sich diese Predigt wendet. In diesem Zusammenhang muss man überlegen, wenn die Rede vom Handeln Gottes – in diesem Fall in Bezug auf das Kreuz – in der Predigt sein soll, ob sie denn allen potenziellen Predigthörer(n)/innen und dabei in jeder Predigtart passen würde? Für Deutschland als für ein europäisches Land, das seit tausend Jahren vom Christentum geprägt ist, ist der Ausdruck 'Wort vom Kreuz' in der kirchlichen Predigt schon gewöhnlich geworden ist. Aber das Neue Testament nennt dieses christliche Thema kompromisslos «Torheit der Predigt» für eine spezielle Gruppe der Predigthörer. Sie ist wohl in der Kirche in der Minderheit, aber mit ihr muss man doch auch rechnen. Die oben angeführte neutestamentliche Stelle unterstreicht die Besonderheit der Predigt, die das Kreuzesthema entfaltet. Das betrifft wohl in erster Linie die Passionspredigt. Und diese ist nicht zu unterschätzen.

Auf dem Grund des Obengesagtes sind, wie man sieht, vier o.g. ernste Probleme, die die Rede vom Handeln Gottes unter in Zweifel in der Passionspredigt ziehen: wegen des dogmatisch erschwerten Verständnisses der Teilnahme und der Aktivität Gottes im Ereignis der Kreuzigung des Messias können verschiedenartige sinnentstellende Fehler im Predigttext entstehen. Die Folgerungen und Sinnschlüsse einer solchen Predigt wären dann unwiederbringlich verfälscht. Auf diese Weise können die Argumente gegen die Rede vom Handeln Gottes in der Predigt auf folgenden Gedanken basieren: wenn man vom Handeln Gottes predigt, so muss es gut erläutert werden; es geht aber weit über die Grenze des menschlichen Verstandes und der menschlichen Worte hinaus. Auch die menschliche Erfahrung ist in den Erläuterungen des Handelns Gottes in der Predigt bei weitem nicht ausreichend und ist zu sehr begrenzt für solche Erklärungen und Darstellungen. Unter der Gefahr einer unkorrekten Darstellung kann die Rede vom Handeln Gottes beim Kreuzigungsthema fallen: wegen ihrer möglichen Darstellung als heilsnotwendig. Unter dem Strich könnte man schon annehmen, dass in der Passionspredigt kein einziges Wort vom Handeln Gottes sein sollte. Und wenn es wirklich der Fall sein soll, entsteht logischerweise die Frage, ob die Rede vom Handeln Gottes nicht für jede Predigt passend ist.

Weihnachtsrede

Das Problem beim Predigen des Handelns Gottes in der Weihnachtspredigt liegt eben darin, dass manchmal in den wichtigsten Themen der christlichen Lehre das Handeln Gottes schwer erkennbar ist. Das haben wir eben in der Betrachtung des Ereignisses der Kreuzigung Jesu Christi gesehen. Hinsichtlich des Weihnachtswunders bemerkt der Autor, dass die Menschwerdung Christi inhaltlich-homiletisch leichter als eine Aktion Gottes erkennbar ist als die Auferstehung oder um so mehr die Kreuzigung Christi, «weil es da ja um das Kommen Gottes als Mensch zum Menschen und um die Annahme des Menschen geht.» Und trotzdem ist es nicht absolut problemlos. Die Menschwerdung Gottes rechnet der Verfasser wegen der Distanz zur menschlichen Erfahrung auch als Thema des Weihnachtsfestes zu den Spezifikationen des christlichen Glaubens. Als das erste und wichtigste Spezifikum nennt R. Knieling die Tatsache, dass der Gottessohn in die Niedrigkeit kommt. Er, der an der Schöpfung des Kosmos beteiligt war, nimmt jetzt Knechtsgestalt an.

Das Problem in der Entfaltung des Themas vom Handeln Gottes in der Weihnachtspredigt sieht der Autor absolut in demselben Punkt, wo er es in der Passion auch gesehen hat: geschichtliche Einmaligkeit des Ereignisses macht das Thema zu dem Besonderen und lässt es nicht allseitig entfalten, wie es eigentlich in der Tat in jeder anderen Predigt möglich wäre. Es sind hier keine Verallgemeinerungen und Prinzipialisierungen bestimmter Einsichten rund um das Geburtsereignis möglich.

Eine weitere Komplikation in der Weihnachtspredigt hinsichtlich der Darstellung des Handelns Gottes ist die Erniedrigung Gottes bis zur untersten Ebene des Menschen: «Der die Knechtgestalt annimmt, ist der, der an der Schöpfung des Kosmos beteiligt war... Der wird Mensch, der als Gottessohn gibt und gebietet, richtet und verzeiht.» Diese Erniedrigung von Gottes eigenem Sohn gehört eben zu dem Handeln Gottes in der Weihnachtsbotschaft. Wie man sieht, ist es ebenso problematisch wie im Fall mit der Passion. Noch schwerer in diesem Sinn ist für die Entfaltung des Handeln-Gottes-Motives, dass die Offenbarung Gottes in der Geburt Jesu die Voraussetzung für Sein weiteres Handeln am Kreuz und bei der Auferstehung ist, und das muss in der Predigt unbedingt aufgezeigt werden.

Gericht als Handeln Gottes:

Noch ein Thema kann aus dieser Perspektive für die Predigt für die Entfaltung der Rolle des Handelns Gottes kompliziert sein: nämlich Gottes Gericht an der Menschheit. Den problematischen Punkt hierin sieht der Autor darin, dass in dieser Thematik dogmatisch komplizierte Fragen auf einen Platz zulaufen: vor dem Freispruch bzw. der Versöhnung kommt unbedingt das Gericht Gottes, und darüber muss auch die Rede in der Predigt sein: Gott als Richter und der Mensch als Angeklagter; da ist doch auch die Rede vom Handeln Gottes. Den Predigtzuhörer(n)/innen muss klargemacht werden, dass die Schuld des Lebens erkannt und anerkannt werden muss. Soll in der Predigt die Rede davon sein, dass das Gericht auch unter dem anderen Handeln Gottes zu sehen ist?

Das Schwarze, welches nach R. Knieling der Predigtpfeil letzten Endes in den Hörer/innen treffen muss, ist das Innerste - sei es bewusst oder unbewusst -: die menschliche Selbstbezogenheit, die darin besteht, dass «sie Gott nicht als Herrn anerkennt und ihm in seinem (Heils-)Handeln nicht Recht geben möchte.» Eigentlich ist das Handeln Gottes für das christliche Verständnis leicht mit dem Heilshandeln identifizierbar, und deswegen entsteht hier ein ähnliches Problem, welches wir in Bezug auf die Predigt über die Kreuzigung gesehen haben, wenn die Gefahr besteht, das Thema als eine 'Heilsnotwendigkeit' zu predigen.

Actio und passio des menschlichen Handelns im Handeln Gottes
Das Kreuz Christi ist etwas, was «von extra nos auf uns und unsere Erfahrung zu kommt und ... pro nobis geschehen ist. Was Gott exklusiv tut, macht uns Menschen zunächst passiv, zu Empfangenden...» Die Predigt vom Handeln Gottes meint immer uns – die Menschen – als Passive in dem Verhältnis Gott ßà Mensch. In diesem Fall muss in dem Moment eine Korrelation und Ausgleichung sein, wo denn überhaupt die menschliche Aktivität verbleibt. Wenn also absolut alles von der Aktivität Gottes in unserem Leben abhängt und unser menschliches Handeln nichts zu ändern vermag, wäre die Predigt vom Handeln Gottes eine Profanisierung.

Kann es homiletisch sinvoll sein, vom Handeln Gottes in der Predigt zu sprechen?
Der Autor stellt das Thema des Handelns Gottes in der Predigt in die Abhängigkeit vom kirchlichen Kalenderzyklus. Eine solche Gebundenheit sowohl an den Kalenderzyklus als auch an Kasualien ist - dogmatisch gedacht - die Gebundenheit an die Vergangenheit, in welcher dieses Handeln Gottes schon (und zwar seit langem) geschehen ist. Handeln Gottes in der Gegenwart ist in diesem Fall nur als eine Projektion der längst vergangenen biblischen Ereignisse möglich. Diese Ereignisse sind drei zwar ausserordentlich wichtige Aktionen Gottes, aber ohne uns und längst vor unserem Dasein geschehen. Diese und alle anderen Fragen, die in diesem Kapitel dazu aufgezählt wurden,  lassen wohl nicht so rasch die Frage des Themas mit einem Ja beantworten.

Perspektive: Argumente dafГјrВ В В В В В  В В В В В В В 

Im vorherigen Kapitel sind einige Aspekte aufgedeckt worden, die als Argumente gegen die Rede vom Handeln Gottes in der Predigt eingeschätzt werden und die eindeutig die positive Antwort auf die generelle Frage dieser Arbeit erschweren. Das nun folgende Kapitel ist der Platz für die positiven Argumente zu dem zu betrachtenden Thema.

Spezifika des christlichen Verständnisses des Handelns Gottes
In der Passionsrede:
Es ist zunächst der Versuch nötig, eine exakte Linie zu markieren, welche Passionsereignisse bei der zweitausendjährigen Verjährung in der Predigt als Handeln Gottes identifiziert sein müssen und welche nicht. Und die Frage, welche Knieling in diesem Zusammenhang erhebt, ist diese: wann denn in der Passionschronologie die Rede vom Einschreiten Gottes ins Geschehen beginnen kann? Denn die Antwort auf diese Frage gebe die Möglichkeit zu bestimmen, ob das Passionsereignis Platz für das Handeln Gottes hat, um darüber heute predigen zu können. Diese Antwort, welche der Autor mehrmals für den Leser akzentuieren will, gibt er uns in seiner kompromisslosen Formulierung: es gibt nur eine einzige Möglichkeit, in der Passionsrede vom Handeln Gottes zu sprechen, nämlich in der Prespektive 'von der Auferstehung her': «Nur weil der Gekreuzigte auferstanden ist, wurde der Weg des Gekreuzigten als Weg Gottes mit ihm verstanden. Und in diesem Verständnis des Weges Gottes entwickelte sich das Verständnis des Kreuzes als Heilshandeln Gottes.» Ohne die Rede vom Handeln Gottes in der Auferstehung Jesu wird die befreiende Dimension – wie es von Knieling definiert ist – der Verkündigung am Karfreitag nicht erreicht: «...wenn die befreiende, im Sterben bestehende und damit tröstende Seite des Todes Jesu verkündigt wird, dann kann das als zutiefst frohmachend erlebt werden.» Das wichtigste in einer solchen Predigt ist – so der Autor – «die Deutung des Ereignisses und nicht Ereignis ohne Deutung von der Auferweckung her.» - so lautet die richtige Bedingung für eine inhaltlich korrekte Passionspredigt, die Knieling mit Recht für die entscheidende hält. Wird in der Predigt mit dem Thema der Kreuzigung das Handeln Gottes in der Auferstehung entdeckt und gezeigt und wird dabei die Auferweckung als Handeln Gottes ins Zentrum dieser Predigt gestellt, ist für die Rede vom Handeln Gottes korrekt gehalten. In der Synthese des Themas des Kreuzes mit dem Theologumenon der Auferstehung verbirgt sich nach Knieling die richtige Perspektive der Predigtrede vom Handeln Gottes. R. Knieling zeigt es am Beispiel der Karfreitagsrede, wobei er die Überlegungen darüber aus «Die Christliche Rede an Karfreitag» von Herbert Breit zitiert: «Lösen wir die Botschaft vom Kreuz aus ihrem Zusammenhang mit Ostern, dann gerät die Predigt auf Irrwege... Der Prediger behaftet dann den Menschen bei sich selbst, indem er den Blick des Hörers ausschliesslich auf den sterbenden Herrn lenkt, dessen gewaltsamer Tod sein irdisches Leben beendet. Damit strömen alle menschlichen Todes-Deutungen – meist sogar wider die theologischen Intentionen des Pfarrers – in die Karfreitagsrede ein und verleihen ihr eine eigenartige innere Widersprüchlichkeit. Es streitet die Trauer-Atmosphäre von Karfreitag gegen die Botschaft vom Kreuz und verdunkelt den Trost des pro nobis.»

In diesem Zusammenhang verschmilzt bei dem Verfasser die semantische Grenze zwischen der Verwendung der Begriffe В«AuferstehungВ» und В«AuferweckungВ», weil er meint, dass die beiden Termini die Einmischung Gottes in das Ereignis gleich gut wiederspiegeln: wird das Wort В«AuferstehungВ» gesagt, so ist es klar, dass Gott den Christus auferstehen lieГџ; wird В«AuferweckungВ» gesagt, ist gleichzeitig klar gemacht, dass Gott auch hier als Subjekt des Geschehens auftritt.

Weihnachtspredigt

Die Möglichkeit und die Berechtigung, vom Handeln Gottes an Weihnachten zu predigen, hängt auch wie die oben betrachtete Predigt am Karfreitag völlig von der Wahl der richtigen Inhaltsperspektive ab. Im vorherigen Kapitel wurde das Problem erörtert, welches der Autor bezüglich der Weihnachtspredigt aufdeckte: worin genau müssen wir eigentlich das Handeln Gottes in dem erniedrigten Kommen Gottes als Mensch in die Welt sehen? Das Aufzeigen der Erniedrigung  Gottes (z.B. der Geburt im Stall) in Seiner Menschwerdung muss unbedingt vor den Predigthörer(n)/innen so entfaltet werden, dass ein solches Auftreten des Herrn in der menschlichen Geschichte im Horizont Seines Dienstes gegenüber den Menschen zu sehen ist: das lässt sich allein von der Perspektive Seiner Auferstehung und der Verherrlichung her sehen.

Gericht als Heilshandeln

Weil also das Handeln Gottes als theologisches Thema in sich nicht wenige Spezifikationen enthält, ist es um so mehr notwendig, diese der Gemeinde zu erläutern. Das betrifft auch das Thema des Gerichtes, «damit nicht andere Gerichtsinstanzen sich unbemerkt an die Stelle Gottes setzen.» Und noch dazu: «Indem es Gott ist, der handelt, werden die menschlichen Kategorien durchbrochen. Dass in dem «Vater, vergib ihnen» die Kraft der Versöhnung der Welt mit Gott und der Einbeziehung der Welt liegt, ist in Gottes Handeln begründet. Der Verzicht auf Gegenprojektion ist freilich nur ein Hinweis auf das Handeln Gottes, ohne dass dieses damit hinreichend beschrieben wäre. Doch die Predigt muss solche Hinweise wagen.»

Einmaligkeit oder Wiederholbarkeit des Handelns Gottes
Eines der Probleme, welche im Kapitel II als Gegen-Argument aufgezeigt wurden, war die Unmöglichkeit der Verallgemeinerung und der Prinzipialisierung des einmaligen Handelns Gottes, welches besonders in der Passion und an Weihnachten zu sehen ist. Die Lösung dieses Problemes ist aber einfach. Das Handeln Gottes ist in zwei Kategorien aufteilbar: a) das Handeln Gottes, welches vorbildlich als das typische Handeln Gottes gepredigt werden kann und b) das Handeln Gottes, welches einmalig ist und weshalb es in der Predigt betont als ein einmaliger Akt in der menschlichen Geschichte gezeigt werden muss. Anders gesagt, es ist nach Knieling streng zu unterscheiden: a) die Texte aus der Bibel, in welchen das Handeln Gottes im Leben der Menschen vorkommt und weshalb es als solches gepredigt werden muss; b) die biblischen Texte, die nur Beispiele für das menschliche Verhalten sind, wo der inhaltliche und homiletische Akzent auf das Handeln Gottes in der Predigt unkorrekt wäre (z.B. Gleichnisse). Ohne Zweifel muss in der Predigt das Handeln Gottes sowohl der ersten als auch der zweiten Kategorie gepredigt werden. Die Frage liegt nur im Bereich der Lebensrelevanz einer jeden der beiden Kategorien. Wenn also die eine oder andere Aktion Gottes in der Predigt als eine wiederholbare dargestellt wird und auch als etwas, das sich auch heute noch ereignen kann (z.B. Heilung u.ä.), kann die Predigt mit Recht dazu führen, dass solch eine Aktion von Christus, Im Leben eines jeden aus der Gemeinde geschehen kann. Was für ein Ziel aber kann die Rede von einem einmaligen, vor langer Zeit geschehenen Akt Gottes in der Predigtrede für heutige Christen verfolgen? Hier ist – so Knieling – die Berücksichtigung des Kontextes der Ereignisse, welche als das Handeln Gottes gedeutet werden, am wichtigsten. Knieling selbst betont den prinzipiellen Unterschied zwischen den Möglichkeiten der Todesdarstellung in der Predigt: «Die Hingabe des Lebens für andere als möglicher Ausdruck der Kreuzesnachfolge ist etwas anderes als die Hingabe des Lebens als Beispiel für die Bedeutung des Sterbens Jesu.» Also muss auch das Handeln Gottes, welches einmaligen Charakter trägt, als einmaliges Handeln Gottes gepredigt werden; alles andere vom Handeln Gottes kann in der Predigt zu Verallgemeinerungen führen. So wäre das Problem lösbar.

Im Kapitel mit den Gegenargumenten klang die Frage von der Aktualität und Wirksamkeit der Predigt von der Rede vom Handeln Gottes an, dass die Behauptung entsteht, dass die Taten Gottes, die zeitlich längst vorüber sind, uns heute wohl nicht mehr aktuell und folglich nützlich sein könnten. Wenn in der Predigt die Rede von den Handlungen Gottes der vergangenen oder zukünftigen Zeit ist, dann müssen sie immer und unbedingt mit allen bekannten Methoden in die gegenwärtige, heutige, aktuelle Zeit und Situation projiziert werden. Kurz gesagt, es muss, wenn es das Predigtgeschehen betrifft, um die  G e g e n w a r t  des Erhöhten gehen. Eine der von Knieling als Beispiel angeführten Predigten ist die Predigt von Hirschler. „Hirschler verzichtet darauf, die Gegenwart Gottes auf das Erleben von Gutem, Gelingen und Glück zu begrenzen und damit von diesen Begriffen her zu interpretieren. Er hält ausdrücklich daran fest, dass Gott in Christus in den Schwierigkeiten, im Scheitern und in der Schwachheit gleichermassen anwesend ist.“ Dass er also in der gegenwärtigen Zeit anwesend ist und nicht war. Das Handeln Gottes, wenn es am heutigen Menschen durch Sein Handeln in der in Aktion tritt, macht die Predigt gegenwärtig aktuell und von dieser Seite her zu einer gelungenen Predigt. Auch in diesem Sinne äussert sich Knieling bezüglich der Predigt vom Handeln Gottes als von einem im ganzen vielfältigen Prozess der Einbeziehung des Menschen in das Handeln Gottes (im Kapitel «Kreuznachfolge» z.B.)
Actio und passio des menschlichen Handelns im Handeln Gottes
Hinsichtlich dessen, was im vorherigen Kapitel gesagt worden ist, dass der Mensch in der Predigt vom aktiven Handeln Gottes die passive Position besitzt und im Hintergrund der unbegrenzten und einseitigen göttlichen Aktivität bleibt und deswegen nur als ein passives Objekt dieses Handelns Gottes betrachtet werden kann, unterstreicht Knieling, dass doch bei der Führung der Predigt zur Lebensrelevanz Gottes Handeln dann etwas mit konkreten menchlichen Handlungsschritten zu tun hat. Um es zu demonstrieren, greift Knieling die Meinung von Eberhard Jüngel auf, dass das erste Merkmal der Aktivität der Christen im Prozess des göttlichen Handelns jenes ist, dass sie schon den Gottesdienst feiern: dadurch sind sie schon  t ä t i g. Das zweite ist, dass jeder Christ auf das Tun anderer angewiesen ist, weil er in der Kirche zum Leib Christi gehört, was ihn auch aktiv in der Verantwortung vor Gott und vor allen macht. Die Verantwortung führt ihn zum Gericht vor Gott. «Dieser soteriologische und ekklesiologische Rückbezug befreit das Handeln geradezu davon, selber eine religiös-soteriologische Dimension darstellen zu sollen oder zu wollen.»
So und auf diese Weise kann es nicht um völlige Passivität der Rolle des Menschen in der allumfassenden Aktivität Gottes in Seinem Handeln in der Predigt gehen. Aber das eine, dass das Handeln Gottes über der menschlichen Tätigkeit übergeordnet ist, muss doch unbedingt in der Predigt klar gezeigt werden: «Was Gott in seiner eschatologischen Tat exklusiv und letztgültig geschaffen hat, kann und muss von uns Menschen nicht getan werden. Und die Vollendung dessen, was Gott angefangen hat, ist nicht unsere Beauftragung. Handlungsimpulse sind richtig und notwendig, wenn die Bruchstückhaftigkeit menschlichen Handelns im Horizont des eschatologischen Handelns Gottes ernstgenommen wird.» In der Predigt muss man damit rechnen, dass das Handlungszentrum bei Gott ja der Mensch ist, aber wiederum doch «ohne diesen Aspekt absolut zu setzen und damit Gottes Rechtfertigungshandeln zu torpedieren.» Und dass «der Gegenstand des Glaubens nicht das Handeln ist, sondern der trinitarisch verstandene Gott.» Auf diese Weise stellt die Predigtrede vom Handeln Gottes Gott Selbst und all Sein schöpferisches Handeln auf das Postament des Predigtinhalts und lässt die Menschen Gott als Handelnden erleben. Es kann eine Predigt sein, die die Menschen aufruft, ihre Position in Bezug auf Gott zu überprüfen und in dieser Position «den Thron des Lebens Gott zu überlassen». In diesem Sinn ist die Predigt vom Handeln Gottes eine Predigt, die selbst schon den Menschen angreift und ins Zentrum des Gepredigten stellt und zeigt, was er im sakramentalen Handeln Gottes ist. Ulrich Beck hat dies mit folgenden Worten beschrieben: «Der einzelne muss lernen, sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu begreifen... Gefordert ist ein aktives Handlungsmodell des Alltags, das das Ich zum Zentrum hat... Dies bedeutet, dass ... für die Zwecke des eigenen Überlebens ein ichzentriertes Weltbild entwickelt werden muss, das das Verhältnis von Ich und Gesellschaft sozusagen auf den Kopf stellt und für die Zwecke der individuellen Lebenslaufgestaltung handhabbar denkt und macht.»

Lebensrelevanz
«Der Hinweis auf Gottes Handeln entbindet aber nicht von der Bemühung, die Bedeutung für das konkrete alltägliche Leben herauszuarbeiten. Zum Geheimnis des Glaubens gehört es, dass sich in der Verkündigung der Lebensrelevanz des Handelns Gottes immer wieder das ereignet, was verkündigt wird und was der Verkündigung des Wortes Gottes verheissen ist: Dass Gott selber das Wort nimmt und Glauben schafft.» Diese «Identifikationen im Leiden und Schwierigkeiten mit dem Heilshandeln Gottes» (so lautet der Titel des Kapitels, wo er dies bespricht) sind seiner Meinung nach erreichbar, wenn man den Christen die Bedeutung des Handelns Gottes auf das alltägliche Leben in ihrem Verstand implizieren könnte.

Zusammenfassung: Versuch einer Antwort

Die Antwort auf die von Anfang an in diesem Thema gestellte Frage kann generell unbedingt aus der Perspektive ‚Was ist das Ziel der Predigt?’ beantwortbar sein. Der wichtigste Faktor nach meiner Meinung in der Entscheidung, ob die Predigt Platz für das Predigen des Handelns Gottes hat, ist der Faktor der Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung im Ziel jeder Predigt: wenn also eines der Themen der Predigt ihrem (Haupt-) Ziel nicht diente, wozu müsste man dann überhaupt darüber sprechen? Knieling rechnet auch mit weiteren möglichen Ergebnisse der Predigt: «Den Auferstandenen als erhöhten Herrn zu bekennen und sein Wirken ihm zu überlassen, davon lebt die Predigt und dazu lädt die Predigt ein.»und noch etwas: es «...spiegelt sich vor allem die Sehnsucht nach der Lebendigkeit des eigenen persönlichen Lebens wider. Was als solche Lebendigkeit empfunden wird, kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein (Freiheit, Glück, Zugang zu eigenen Gefühlen, Befreiung von bestimmten gesellschaftlichen Normen).» Die Predigt muss in der Lage sein, Alltagsprobleme und Bedürfnisse zu artikulieren und einer Lösung näher zu bringen und letzten Endes zur Steigerung der Lebensqualität zu führen. Jede Predigt vom Handeln Gottes ist auf in rechter Art gehalten, «wenn die Konsequenzen wirklich aus der für den Glauben geschehenen Veränderung der Welt durch die Menschwerdung Gottes und seinem Annehmen unserer Armut und Schwäche gefolgert und auch begründet werden.»

Die Argumente wurden auf den Gegenstand der negativen oder positiven Antwort auf die im Arbeitstitel gestellte Frage, ob in der Predigt die Rede vom Handeln Gottes sein soll, abgewogen. Die theologische Seite der homiletischen Problematik ist wohl die wichtigste. Und wie es sich ergibt, ist die Grundschwierigkeit, auf welche diese Frage stösst, folgende: dass es sich in der Predigt um ein sogenanntes spezifisch-christliches Verständnis drehen muss: soll in der Predigt vom Handeln Gottes die Rede sein, wenn es um die Existenz des Bösen in der von Gott geschaffenen Welt geht? wenn es um die Erniedrigung des Herrn geht? wenn es letzten Endes um die Rolle Gottes in der Kreuzigung Jesu Christi geht? u.s.ä. Die Frage bestand nicht, ob über diese Themen überhaupt gepredigt werden muss, sondern ob man diese Themen als gleichberechtigte Teile des Heilsplanes Gottes für die Menschheit predigen darf, und wenn ja, wo kann dann der Prediger genau sagen: „Seht, an diesem Zeitpunkt des ganzen Geschehens greift Gott ein!“ Besonders schwierig in diesem Sinne ist die Karfreitagspredigt: in ihr ist es besonders kompliziert, den Berührungspunkt des Geschehens mit dem Moment, wo Gott Sein Handeln zeigt, zu finden. Bei der näheren Betrachtung wurde festgestellt, dass alle Spezifikationen dieser Themen durch die richtige Perspektive – „von der Auferstehung her“ – erfolgreich zu lösen sind, so dass diese grösste Schwierigkeit nicht mehr als Haupt-Gegen-Argument dienen konnte. Eigentlich sind alle Argumente solcher Art, die ich manchmal auf fragende Weise formuliert habe, nach Knieling mittels des Kontextes, oder besser gesagt, mittels der Ganzheit der Predigtverkündigung lösbar: d.h. die Kreuzigung muss aus der Perspektive der Auferstehung, das Gericht von der Perspektive der für die Menschen möglichen Versöhnung mit Gott u.s.w. gesehen werden. Immer wieder taucht bei Knieling das Leitmotiv des Zusammenhangs im Predigtgewebe auf. Es wurde auch der Aspekt der Einmaligkeit und Wiederholbarkeit einiger bei R. Knieling erwähnten Predigtthemen erhoben. Und wie es gezeigt wurde, kann auch kein zwingendes Argument gegen das Predigen über Gottes Handeln gebracht werden, weil die Einmaligkeit eines Ereignisses in der Geschichte auch Lebensrelevanz haben kann, man muss nur darauf achten, dass es nicht zu einer Verallgemeinerung bestimmter Einsichten rund um diese Ereignisse (z.B. Passion oder Weihnachten) kommt. Die anderen Argumente gegen die Bejahung der Frage des Themas (actio und passio des Handelns des Menschen im Handeln Gottes, Lebensrelevanz u.a.) waren nicht so gewichtig wie diese zwei und wurden durch positive Argumente überwunden.   

Die Predigt an Ostern ist fГјr das gegebene Thema mit seiner Frage in homiletischer und dogmatischer Hinsicht nicht besonders problematisch, weil alle o.g. Argumente in ihr keinen Ansatz finden: das Handeln Gottes in der Auferstehung Jesu Christi ist leicht erkennbar und deutlich wiederspiegelbar. Deswegen hebt der Autor die Osterpredigt in diesem Sinne nicht hervor.

Eigentlich ist alles, was ich in meiner Arbeit als negative Argumentation dargestellt habe, bei dem Autor des Buches „Predigtpraxis zwischen Credo und Erfahrung“ einfach eine Zusammenfassung der Probleme, die bei der Predigt solcher Art entstehen könnten. Er selbst stellt die Frage, ob in der Predigt die Rede vom Handeln Gottes sein soll, gar nicht unter Zweifel. Wie schon gesagt, ist die Antwort Reiner Knielings, ob in der Predigt die Rede vom Handeln Gottes sein soll, ein eindeutiges Ja. Und das ist auch meine Meinung.

Homiletische Analyse der Predigt von Ulf Ekman "Gott will alle heilen"


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