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Hat der Unterricht Platz fГјr Religion?

(Textgrundlage: Meyer, Karlo:

Zeugnisse fremder Religionen im Unterricht)

Religionsunterricht

Einleitung

Gegenstand der Betrachtung (notwendige Korrelation des Themas aufgrund der mir vorliegenden Textgrundlage von K. Meyer)
Bevor ich zum eigentlichen Thema der gegebenen Arbeit komme, ist es hier nötig, noch einige neutrale Sachen zu besprechen, denn es muss klargestellt werden, um welchen Unterricht und um welche Religion es sich in der Arbeit handelt. Gemäss dem mir vorliegenden Text Karlo Meyers „Zeugnisse fremder Religionen im Unterricht“ haben wir eindeutig den evangelischen Unterricht in der deutschen Schule im Visier. Zwar hat der Autor auch die Untersuchung des Religionsunterrichts der englischen Schule, welchem er einen ganzen Teil des Buches widmet, im Auge, doch er macht seine generellen Schlussfolgerungen seiner Forschung gemäss im Grunde genommen für den deutschen evangelischen Religionsunterricht. Auch aus dem Grund des Vergleichs des Religionsunterrichts aus zwei europäischen Ländern macht der Forscher manchmal in seinen Überlegungen  Verallgemeinerungen in Bezug auf die zu betrachtenden Gegenstände des Themas wie z.B. „westlich“, „europäisch“ u.ä.
Im Anfang des dritten Teils „Grundlagen für einen Neuansatz“ beschreibt
K. Meyer denjenigen Unterricht, von welchem die Rede ist: nämlich von dem christlichen (~von Christen für Christen~). «Eine Einheit aus dem Themenkreis fremder religiöser Traditionen findet in der traditionellen deutschen Schule bisher in der Regel im Rahmen des Religionsunterrichts, also in einem christlichen Rahmen statt...» - folglich geht es hier nicht um Unterricht überhaupt in allgemeinem Sinne, oder um den Unterricht «Religionskunde», oder «Allgemeine Religionsgeschichte», wo das Thema Religionen der eigentliche Gegenstand des Unterrichts wäre. Es geht hier um einen wirklich rein christlichen (bei dem Autor überwiegend um evangelischen) Unterricht, der von den Lehrer(n)/innen des evangelischen Religionsunterrichts den Schüler(n)/innen - die in ihrer Mehrzahl zu der christlichen Kirche gehören und die zuvor die Kenntnisse vom Christentum erworben haben und mit solchen Vorkenntnissen in den Unterricht über andere Religionen gesetzt werden – und der mit dem christlichen Lehrstoff darbietet. So sieht die Atmosphäre und die Umwelt des Religionsunterrichts aus. Das Ziel solchen Unterrichts begründet der Autor mit der rechtlichen Anordnung hinsichtlich des Religionsunterrichts des nieders. Kultusministers von 1992 (OS, S. 5): «Der evangelische Religionsunterricht hat die Aufgabe, den christlichen Glauben in seinem Gehalt, seinen Erscheinungsformen und Auswirkungen verständlich zu machen und seine Bezüge zur Lebenspraxis der Schülerinnen und Schüler sowie der Gemeinschaft zu verdeutlichen.» Auf diese Weise kann der Zugang zur Diskussion des Unterrichtens der Religionen im evangelischen Unterricht nur ein solcher sein, der mit dem völlig christlichen Kontext der gegebenen Situationsfrage rechnet. Soweit zum 'Unterricht'. Nun kurz zu 'Religion' in solchem Unterricht. Meyer meint mit Religion im evangelischen Unterricht die anderen nicht-christlichen Religionen, die er meistens mit den Epitheta «fremde Zeug-nisse» und «religiöse Gegen-stände» bekleidet. In diese Wörter setzt er einen Bindestrich mit der Absicht, die Aufmerksamkeit des Lesers auf die erste und ursprüngliche Bedeutung dieser Begriffe – an welche er auch zu appellieren  wünscht - zu lenken. «In unserem Fall geht es um die nicht-christlichen Religionen in der deutschen Schulen.»

Diese Korrelation ist für den Ausgleich zwischen dem eigentlichen Thema der gegebenen Arbeit und dem Thema der Textgrundlage unvermeidlich notwendig, weil das Werk „Zeugnisse fremder Religionen im Unterricht“ von Karlo Meyer überhaupt nicht Platz für Religionen allgemein im Unterricht vorsieht. Dieses Buch beschäftigt sich ausschliesslich mit der Frage, ob fremde Religionen in den evangelischen Schulunterricht hineinpassen. So entsteht bei mir logischerweise die Notwendigkeit, die Richtung meiner Arbeit zu bestimmen, denn der Titel des vorliegenden Themas zeigt nicht klar, was für ein Unterricht und welche Religion gemeint ist; das erkennt man erst, wenn man das Buch liest. Um das Grundproblem, das Thema bzw. die Frage des Themas zu verstehen, muss man das Fachwort „Religion“ näher definieren, denn es ist innerhalb der christlichen theologischen Wissenschaft viel diskutiert worden, indem man einen Konsens suchte über die Frage, ob es fürs Christentum überhaupt akzeptabel ist. Weiterhin geht aus dem Titel nicht ganz klar hervor, welcher Unterricht gemeint ist: Schulunterricht oder kirchliche Unterweisung oder Unterricht im Allgemeinen (egal wo und für wen) usw.? Davon ausgehend muss man das Thema „Hat der Unterricht Platz für Religion?“ nur in dieser Richtung untersuchen, weil es ohne den zu Grunde liegenden Text ein allgemein pädagogisches Fachthema wäre. Um dieses theoretisch-pädagogische Thema über Religion im Unterricht im weitesten Sinn zu erarbeiten, wäre das Buch „Zeugnisse fremder Religionen im Unterricht“ auch nicht das richtige, weil es eine solche thematische Richtung praktisch nicht berücksichtigt, sondern es geht ganz konkret um den R e l i g i o n s u n t e r r i c h t .

Zur Aktualität des Themas

Das Thema ist zum Erforschen vor allem deswegen aktuell, weil die Fragen, welche in der gegebenen Arbeit zu beantworten sind, zu dem Kreis der gegenwärtigen aktuellen Diskussionen gehören. Die Frage des Erwerbs der Kenntnisse der Schüler/innen in der wissenschaftlichen Disziplin der Religionskunde befindet sich im Stadium ihrer Entwicklung: zur heutigen Zeit ist der Platz dieser Disziplin im christlichen Unterricht nicht fertig bestimmt: soll er stattfinden und wenn ja, dann besteht die Frage, welche didaktische Form er auf dem Hintergrund des christlichen Unterrichtes annehmen soll? Sie ist noch nicht entschieden, und schon entsteht z.Z. die nächste Frage: darf überhaupt fremde Religion als eine separate schulische Einheit im Unterricht in der deutschen Schule gelehrt werden? Es geht um die Diskussion in einigen Bundesländern, muslimischen Unterricht in der Schule einzurichten. Im Horizont solcher Debatten ist natürlich nicht nur das gegebene Thema, sondern das ganze Buch „Zeugnisse fremder Religionen im Unterricht“ äusserst aktuell.

Divergenzen: Argumente dagegen

Fremdheit
Das Unterrichten der christlichen Lehre in einem seit langer Zeit christlichen Staat (= jedenfalls steht das Christentum in seinen zwei der grössten Denominationen – evangelische und katholische – rechtlich unter Staatsschutz, sei es in Deutschland oder auch in England, wo Meyer die Forschungen in Bezug auf das Thema seines Buches durchführte) bedeutet das Unterrichten der christlichen Lehre als sogenannte Geburtsreligion und Bekenntnisreligion, je nachdem, ob man ins Christentum hineingeboren ist oder sich nach einer bewussten Entscheidung zu ihm bekennt. Das Christentum als Bekenntnisreligion wird meist in ganz Europa auch zur Geburtsreligion. So ist es in Deutschland wie in ganz Europa mit der Zeit so geworden, dass das Christentum - man kann wohl auch behaupten - zur Volksreligion geworden ist. Auf diesem Grund nennt der Autor mit Recht alle nicht-christlichen religiösen Erscheinungen auf diesem Boden „fremd“. «Ein fremdes religiöses 'Zeug-nis' zeugt von einem fremden Glauben und fremden Erfahrungen mit dem Heiligen. Solch ein Zeug-nis muss im Religionsunterricht der westlichen Schule zum 'Gegen-stand' werden, der sich nicht einfach in den Geist des evangelischen Unterrichts fügt.» Und das Problem liegt darin, dass eben  n i c h t   e i n f a c h  (oder sogar unmöglich) die Religionen als Fremdkörper in den Organismus des evangelischen christlichen Unterrichtes eingefügt werden können. Fremde Religion ist im christlichen Unterricht nichts anders als ein Fremdkörper. Deswegen muss man sehr gut sowohl ihren Platz darin als auch die Dauer ihrer Anwesenheit daselbst bestimmen, sonst muss sie unvermeidlich abgestossen werden. Jede Religion ist tatsächlich und wirklich  f r e m d  in drei folgenden Aspekten:

  • der kulturelle Aspekt

Die fremde Religion ist in einer anderen Kultur entstanden, für sie bestimmt und geeignet und für sie letztlich passend. „Die damit verbundenen Antworten, Hoffnungen und Weisheiten sind oft weit entfernt von der westlichen, schulischen Denkkultur.“ Das europäische Schulsystem ist von einem wissenschaftlich-aufgeklärten Denken geprägt, d.h. dass der Unterrichtsstoff in der Regel begreifbar, vergleichbar und diskutierbar sein muss; er muss sich in die gegebene Wissenschaft bzw. Wissenschaftsdisziplin einordnen und beurteilen lassen, im Kontext der Geschichtlichkeit gewogen und verstanden, möglicherweise  wissenschaftlich prüfbar sein. Einen solchen Zugang haben die uns bekannten Weltreligionen nicht und – was noch wichtiger ist –  s i e   w o l l e n    i h n    a u c h    n i c h t    h a b e n.

  • der religiГ¶se Aspekt

Fast jede Religion hat ein Heilsziel und zeigt einen Heilsweg. Dann ist die zu unterrichtende Religion in der Tat direkt oder indirekt Unterricht eines Heilsweges bzw. von Heilswegen. „Religiöse Gegen-stände sind Zeug-nisse von einem Glauben, aber auch Zeug-nisse für einen Glauben. Im Zusammenhang ihrer Tradition erschliessen sie Glauben und die Erfahrung heiliger Wirklichkeit. Religiöse Zeug-nisse bringen ein bestimmtes Verhältnis zu Welt, Gott, Transzendenz etc. mit sich, die nicht in Lehrsätzen, sondern im lebendigen Vollzug und im gemeinsamen Leben vermittelt werden. In ihrem Zusammenhang führen sie in Glauben ein, vertiefen oder klären ihn.“ Religion als Lebensdeutung kann nur sehr begrenzt als Faktenwissen vermittelt werden; sie wird vielmehr mittels Erfahrungen mitgeteilt, kommuniziert, gelernt. Die Religionspädagogik hat es mit eigenen Erfahrungen der Lernenden zu tun. In ihren Zielen, Inhalten und Methoden ist sie damit von der Lebensgeschichte und dem Lebensalter abhängig.
Im Unterricht der europäischen Schule orientiert sich Didaktik jedes Gegenstandes in dem humanistisch-aufklärerischen Kontext, wie es die rechtlichen Vorschriften für den Schulunterricht fordern. Das betrifft auch den Religionsunterricht. Und das bedeutet, dass auch das Unterrichten in fremden Religionen davon ausgehen muss: religiöse Bräuche, Riten, Gebete und andere ‚religiöse Gegen-stände‘ anderer Kulturen können im schulischen Unterricht nicht erlebt und nicht in der Praxis erfahren werden; sie können in den Unterricht für ihre Betrachtung und Kenntnisnahme nur hineingetragen werden. Mehr noch dazu: sie  s o l l e n  auch im christlichen  Unterricht nicht erlebt und erfahrungsgemäss ausprobiert werden, weil ziemlich viele Elemente der anderen Religionskulturen für die Christen von dem Standpunkt ihrer neutestamentlichen Weltanschauung her unzulässig eingeschätzt werden können oder sogar von der Kirche als Sünde qualifiziert werden müssen, wie z.B. rituelle Anbetung von Figuren z.B. Buddhas bei den Buddhisten oder von der Sonne und den Pflanzen bei den indianischen Stämmen Amerikas; das rituelle Essen der Krishnaiten, wobei sie meinen, ein Teil mit Krishna zu werden u.v.a.  D.h.: „Im deutschen Unterricht stehen die religiösen Gegen-stände ausserhalb des Zusammenhanges ihrer religiösen Überlieferung.“
Einige Religionen setzen noch eigene Schulhermeneutik voraus, die im betrachtenden Unterricht nicht übertragbar sein können: z.B. im Islam ist es das Rezitieren und Memorieren der koranischen und anderer Texte. Das Übertragen solcher Bildungsmethoden auf den Unterricht in der westlichen Schule ist - gelinde gesagt - schwer vorstellbar. An der Stelle kann man sagen, dass schon mindestens für hermeneutische Methoden anderer Religionen der christliche Schulunterricht sicher keinen Platz hat.

  • Der Aspekt der Divergenz zwischen dem vom Autor sogen. Heiligen und dem Profanen

Die Schulklasse ist ihrem Zweck gemäss der Raum, der für die Übergabe des Wissens und des Könnens vorgesehen ist. Religiöse Riten in ihrer Mehrzahl setzen ihren Vollzug in einem dafür bestimmten (oder sogar gebauten) und geweihten ‚heiligen‘ Raum voraus, der von allem Profanen in der Regel abgegrenzt sein muss. Die Riten anderer Art machen im Gegenteil den Ort, wo sie vollzogen werden, zu einem „sakralen“ Raum. Auf diese Weise ist an sich selbst das Übertragen einer der Religionen in die Schulklasse entweder praktisch unmöglich - weil sie dafür nicht geweiht ist und deswegen nicht ‚heilig‘ sein kann - ,oder es trägt sogar eine gewisse Gefahr in sich dadurch, dass bestimmte Rituale den gewöhnlichen Schulraum in einen ‚heiligen‘ Raum verwandeln würden, wo etwas Numinoses geschieht und wo den Schülern angeboten wird, in der Praxis die transzendente Wirklichkeit zuvor unbekannter ‚göttlicher Kräfte‘ zu erleben. In dem Punkt ist das Urteil des Autors kompromisslos: „Einen angemessenen Ort und Rahmen für solche heilige Wirklichkeit hat der deutsche Unterricht nicht zu bieten.“

Die Fremdheit im Inhalt des Themas Гјber andere Religionen findet K.Meyer gar nicht homogen und nicht einheitlich in sich selbst: er trennt die Fremdheiten in zwei Kategorien und er will dabei auch die Aufmerksamkeit der Leser darauf lenken. Eine ist die sogen. 'Fremdheit des Heiligen' und die andere ist die 'kulturelle Fremdheit'.
Das, was K.Meyer mit der Wortgruppe 'Fremdheit des Heiligen' bezeichnet hat, ist das Erleben von etwas Fremdem im Bereich der Religion: dieses Erleben kann man sogar oft nur in den dafür geweihten Räumen, nur im Gottesdienst u.ä. haben und absolut unmöglich im Rahmen der zu anderen Zwecken bestimmten Schule. 'Fremdheit des Heiligen' ist etwas Jenseitiges, ganz Anderes, das, was aus der Gewohnheit fällt und eben darin ihre Anziehungskraft für die Menschen hat. Das, was immer gewöhnlich und üblich war (z.B. Gegenstände der Natur) offenbaren sich in der Fremdheit des Heiligen neu befremdend und rätselhaft. Die Bekanntschaft mit der 'Fremdheit des Heiligen' geht mit der Zeit nicht in Bekanntheit über. Aber jeder Unterricht hat unter anderem als eines seines wichtigsten Ziele, eine solche Bekanntheit den Lernenden zu vermitteln. Die Fremdheit des Heiligen ist unumstritten die Seite der Religion, die im Unterricht keinen Platz haben sollte.
Es sei auch notwendigerweise bemerkt, dass die Schüler/innen im Unterricht die Erfahrung des Heiligen im Rahmen der Bekanntmachung mit dem Lernstoff über kulturelle Fremdheit erleben können, weil eine solche Erfahrung des vom Autor sogen. Heiligen mit den Formen, den Gestalten und den Mitteln der Bekanntmachung mit anderen religiösen Kulturen auf andere Menschen völlig übertragbar ist (z.B. Abbild einer Gottheit, die Bekanntschaft mit den Eigenarten der Liturgie irgendwelcher Religionen u.s.w.). Deshalb ist am Ende eines solchen Unterrichts, der anfangs die Aufgabe hatte, den Lernenden das Wissen über kulturelle Unterschiede zwischen der eigenen und einer anderen Religion nahe zu bringen, das Ergebnis: die direkte Erfahrung der Fremdheit des Heiligen anderer Religionen. Die jetzt besprochene Erfahrung des fremden Heiligen anderer Religionen ist auch im Rahmen einfacher Bekanntschaft der Schüler/innen mit der Kultur der Religionen kaum vermeidlich. Und das trägt in sich eine gewisse Gefahr für den evangelischen Schulunterricht: «Die numinose Erfahrung ist demgegenüber charakterisiert durch den Einbruch göttlicher Macht mit ihrer gegenüber aller Nähe bleibenden Fremdheit und ist dadurch unterschieden (a) von der Erfahrung einer intendierten bzw. stilisierten Fremdheit (z.B. in einem Kunstwerk) oder (b) der Erfahrung von Fremdheit angesichts religiös-kultureller Unterschiede, wie sie die Schülerinnen und Schüler erleben und die mit der Zeit einer zunehmenden Vertrautheit weichen kann.»
Ausgehend von allen oben betrachteten Argumenten kann man wohl sagen, dass durch das Hineintragen fremder Religionen in den Rahmen des evangelischen Unterrichts sehr strenge Warnungen beachtet werden müssen: die fremde Religion ist unumstritten ein Fremdkörper in einem solchen Unterricht. Die andere Religion ist wirklich ein Gegen-stand der christlichen evangelischen Lehre: „Das fremde Zeug-nis wird gerade dadurch zum Gegen-stand, dass es sich gegenüber der westlichen Schule mit ganz anderen Voraussetzungen und Interessen verbindet.“ Die Religionen lassen sich bei dem besten Willen nur von der Aussenperspektive her kennenlernen und das heisst: das Resultat des Unterrichtes über die Religionen wird nie vollständig und folglich nicht objektiv.

Gastlichkeit (fГјr die fremden Religionen im Religionsunterricht) als Konsequenz christlicher Freiheit
In welchem Status wären dann die Religionen im Unterricht überhaupt vorstellbar? K. Meyer unterscheidet in diesem Zusammenhang drei mögliche Stellungen der Religionen im Religionsunterricht: als ein Fremder, ein Gast oder ein Anderer. „...ich wähle hier die Kategorie des Gastes, weil sie mir für die Schule realistischer erscheint als das unvergleichlich hoch aufgeladene ‚Andere‘...“, erklärt der Verfasser seine Meinung in dieser Frage. Übrigens kann man unter Gast aber etwas absolut Falsches verstehen, wie es in der Praxis nicht selten geschieht, nämlich die Einladung fremder Götter und ihrer religiösen Praxis. Zu den realen Situationen gehört, wenn die fremden Götter mit ihren religiösen Bräuchen selbst als Gäste eingeladen werden. Ich persönlich stiess auf einen christlichen Unterricht, wo die Lehrerin den Lernenden Grundwissen über Buddhismus beibrachte und sie lehrte sie buddhistische Meditation. Bei einer anderen Unterrichtssituation wurde das Grundwissen von der Religion eines indischen Stammes in den Hof einer evangelischen Kirche gebracht, wo man allen Unterrichtsteilnehmern beigebracht wurde, Bäume und Kraut anzubeten. Die Beispiele solcher Art sind bei mir damit leider nicht erschöpft... Solches Aufnehmen von ‚Gästen‘ meint der Autor gar nicht, davon distanziert er sich völlig und eindeutig.

Die Frage der Stellung einer Religion im evangelischen Unterricht ist auch äusserst wichtig: diese Stellung kann eindeutig und unumstritten für die christlich zu erziehenden Kinder nur aussenperspektivisch sein; und eine fremde Religion als Unterrichtsgegenstand (ebenso übrigens wie jede andere fremde Sache) lässt sich von der Aussenperspektive nur in einzelnen Facetten verstehen lernen. Die Meinung, dass Religion und Lebensgeschichte untrennbar miteinander verbunden sind, ist kompromisslos.

Zeitliche GrГјnde
Der Unterricht kann wohl Platz für Religionen haben, aber man muss dabei damit rechnen, dass es eindeutig für eine andere Religion und um so mehr für mehrere Religionen aus zeitlichem Grund nicht genügend Platz sein kann. Aufgrund dessen kann nur soviel Zeit einer anderen Religion gewidmet werden, dass eine Annäherung zu dem Gegenstand einer religiösen Kultur geschieht. Zwar steht der zeitliche Grund nicht im Vordergrund, doch ist es auch wichtig zu beachten und der evangelische Unterricht – wie jeder schulische Gegenstand – muss genug ausreichende Zeit für den eigenen Unterrichtsstoff haben. Eine schnelle Übersicht über alle möglichen religiösen Weltkulturen kann einerseits die Zeit im Unterrichtsplan der evangelischen Lehre berauben und andererseits nicht genügend Zeit für die Grundkenntnisse der Weltreligionen bieten und eine solche Jagd nach zwei Zielen kann gewisse Schäden mit sich bringen.

Konvergenzen: Argumente dafГјrВ 

Argument der (rechtlichen) Religionsfreiheit
Die ganze positive Argumentation zu Gunsten dessen, dass der Unterricht mit den Themen über Religionen versehen sein kann, könnte das Argument  der rechtlichen Religionsfreiheit beginnen: zumindest schon das staatliche Recht garantiert mit dem Paragrafen über Religionsfreiheit die Möglichkeit des Unterrichtens von Religionen. Obwohl  der Autor für dieses Thema kein selbstständiges Kapitel bestimmt hat, führt er bei Bedarf oft genug die rechtlichen Vorschriften hinsichtlich des Religionsunterrichtes in Deutschland an. Unter diesen rechtlichen Vorschriften gibt es u.a. den vom Autor auch angeführten Art 7,3 GG, der einen konfessionellen Religionsunterricht für Deutschland etabliert. Es geht aber darum, dass die Rede bei K. Meyer vom  e v a n g e l i s c h e n  Unterricht ist, und in diesem Fall kann man an die Freiheit der Christen appellieren: «Christliche Freiheit begründet eine Freiheit zu Gespräch mit fremden Kulturen und Religionen.» Wie schon gesagt worden, der Themenkreis fremder Religionen besitzt seinen Platz in der Regel in der deutschen Schule nur im christlichen Religionsunterricht. Und auf diese Weise verwandelt sich für die Schüler/innen diese christliche Freiheit für das Gespräch mit den anderen Kulturen und religiösen Traditionen in  e i n e   e i n z i g e   M ö g l i c h k e i t   der Verwirklichung, nämlich nur im evangelischen Religionsunterricht, der aber in erster Linie für die evangelische Lehre veranstaltet wird. Aber darin kann man doch etwas bedeutend Positives finden, weil in diesem Fall sich die Möglichkeit ergibt, den Schüler(n)/innen die anderen fremden religiösen Kulturen und Traditionen im Hintergrund und im objektiven Vergleich mit der eigenen christlichen Lehre, Ethik, Kultur und Tradition zu lehren. In diesem Sinne müsste der evangelische Religionsunterricht vollkommen mit Freuden dem Bildungsstoff über die Religionen einen bestimmten Platz anbieten.

Fremdheit
Einiges wurde schon im vorherigen Kapitel zu dem Aspekt der Fremdheit gesagt und als etwas Negatives dargestellt. Und natГјrlich kann dieser Aspekt von der Seite, von welcher die Fremdheit dort betrachtet wurde, nur zu dem negativen Argument des Themas rechnen. Aber der Autor weist ausserdem darauf hin, dass es qualitativ verschiedene Fremdheiten gibt: die Fremdheit, welcher im evangelischen Unterricht ausgewichen werden sollte, ist die vom Autor sogen. 'Fremdheit des Heiligen'. Meyer zeigt uns noch eine Fremdheit: das ist die 'kulturelle Fremdheit'.
Der Autor bemerkt, dass die Bezeichnung mit dem Attribut 'fremd' immer eine Interpretation ist (S. 274). Zu seiner Unterstützung zieht er sogar die neuesten Forschungen aus dem Bereich der modernen Logik hinzu, dass 'fremd' nicht immer und nicht unbedingt als etwas Unvertrautes, gar Unheimliches zu verstehen ist, sondern einfach als einige weisse Flecken innerhalb der eigenen Welt des Menschen: «Das Fremde wären unbekannte und unverfügbare Erfahrungsgehalte und Erfahrungsbereiche» Dann heisst es, dass eben der Unterricht als Mittel der Wissensvermittlung im Stande ist, diese Fremdheit – wenn man sie als weisse Flecken im Wissen der Schüler/innen  verstehen kann – zu beseitigen oder in etwas schon Bekanntes zu transformieren, so dass eine andere Religion nicht mehr  fremd erscheinen würde. Dann wird jede fremde Religion für jede Schülerin und jeden Schüler nicht mehr eine fremde, sondern eine andere Religion sein, wie es wohl auch sein müsste. Bei der richtigen Ortsfindung der Religion im evangelischen Schulunterricht kann das Unbekannte der fremden Religion «''als das Abenteuerlichste, Faszinierende, Exotische ...'' – beurteilt werden (A. Wierlacher).   ''... dieses dem Menschen Bewährungsmöglichkeiten offeriert, die seine Kräfte wecken und seine Selbstverwirklichung fördern." Das Fremde kann Vertrautes und so den eigenen Horizont erweitern.» Nach der genauen Bestimmung von Hans Peter Duerr findet «Die Irritation durch das Fremde ... erst Ruhe, wenn es dem Bekannten eingegliedert ist.» und mit der Zeit wird das Fremde dem Vertrauten weichen. Das  oben genannte betrifft aber allein die Fremdheit des kulturellen Charakters und passt nach Meinung des Autors  sehr gut zum evangelischen Unterricht; allerdings unter der Bedingung, dass alles, was zu der Fremdheit des Heiligen gehört, ausgeschlossen  wird.

Das Ziel des Unterrichts über die Religionen soll deutlich gesetzt sein und in diesem Sinn muss die didaktische Vorbereitung streng nach diesen zwei  Fremdheiten - kulturelle Fremdheit sowie  Fremdheit des Heiligen - getrennt sein. So ist die Abweichung im Endziel der Unterrichtsleistung möglichst gering: «Was die Schülerinnen und Schüler im Unterricht in der Schule in fremden religiösen Zeug-nissen selbst erfahren, ist kulturelle Fremdheit und Hinweise auf ein Erleben von Faszination und Fremdheit, das der Gläubige im rechten Kontext mit diesem Zeug-nis erfahren kann.»

Die Gastlichkeit hinsichtlich der fremden Religionen im christlichen Schulunterricht ist bei K. Meyer der überwiegende Gedanke. Er macht diesen Gedanken zur Schlussfolgerung nicht nur des Kapitels über „Verortung der Beschäftigung mit fremden Religionen im evangelischen Religionsunterricht“, sondern auch des  Werkes insgesamt.  «Ich möchte dafür plädieren, den Mut zu dieser Gastlichkeit zu haben, durch diese „Gäste einen Sinn für fremde religiöse Zeug-nisse zu entwickeln und sich von einzelnen Zeug-nissen fremder Traditionen zu einer inneren Auseinandersetzung herausfordern zu lassen, ohne die sachlichen Bezüge und die Fremdheit aus den Augen zu verlieren.»

Für den Autor ist es prinzipiell wichtig, dass in Bezug auf das Wort „Gast“ das Unterrichtsthema der „[anderen] Religion“ die Verhältnisbestimmung in der Schulklasse bestimmt: „Ein fremdes religiöses Zeug-nis als ‚Gast zu laden‘ weist auf eine geformte rituelle Annäherung zwischen Klasse und Gast. Einem ‚Gast‘ begegnet man respektvoll, um seiner Würde und Macht willen, die er ‚von Haus aus‘ hat. Man weiss sich getrennt und hört doch genau hin... Der Geist schneidet Themen an, die auch den Gastgeber berühren...“

Unter den Argumenten im Kapitel über Divergenzen waren drei wirklich wichtige Aspekte : die kulturelle Divergenz  zwischen christlichen und anderen Religionen, führt zu Konfrontationen,  behandelt man sie im selben Unterricht. Aus diesem Grund kann man nicht mit den gleichen methodischen Zugängen  arbeiten. Kulturelle Divergenzen, die zeigen, dass fremde Religionen als Vermittler des Glaubens und nicht der Kenntnissen sich im Schulunterricht nicht übertragen lassen.  Die dritte Divergenz, die uns im vorherigen Kapitel als Aspekt der völligen Unmöglichkeit der Religion als das Heilige und der  Schulunterricht als das Profane auf keine Weise miteinander synthesieren.  Diese drei Punkte, die in dem gleichnamigen Abschnitt „Fremdheit“ im Kapitel II als Argumente für die negative Antwort des Themas dargestellt sind, lassen sich als deutliche Divergenz überwinden. Dafür bietet der Autor an,  den religiösen Unterrichtsstoff  gewissen Dingen unterzuordnen. Zu solchen rechnet
K. Meyer ‚die Verstehenskultur und den Geist der deutschen Schule‘. Darunter versteht er die Sicht auf die Wirklichkeit, die er bei den Schüler/innen der Schulen Deutschlands als westlich-mitteleuropäisch bezeichnet. Sie  wird vor allem durch die politische und ideologische Geschichte dieses Landes bedingt, die fast zweitausend Jahren mit ihrem christlichen Kontext in der Entwicklung ist, bedingt. Selbstverständlich wird in diesem Zusammenhang die Weltsicht der anderen Regionen der Erde nicht auf derselben Verstehenskultur und nicht auf demselben Geist beruhen. Durch das Unterordnen der Verstehenskultur und durch das Unterrichten des religiösen Stoffes im Geist des evangelischen christlichen Weltverständnisses wird dieser Argument überwunden.

Der Vorwurf, dass die wissenschaftliche, aufklärerische  Methodik der Unterrichtskonzeption der westlichen Schule  mit anderen Religionen wie mit einem wissenschaftlich-religiösen Objekt umgeht, aber nicht wie mit dem Weiser zum Heilsweg und zur Wahrheit (wie sich eigentlich im Prinzip alle Religionen einschätzen), kann als nichts nützendes Unternehmen verstanden werden und im schlimmsten Fall – nach Meyers Vermutung – sogar als Blasphemie. Aber ein solcher Vorwurf kann wiederum durch die richtige Findung des Platzes und der Stellung der Religion im evangelischen Unterricht gelöst werden. Durch diese  richtige  Findung sieht  K. Meyer in der Möglichkeit z.B. der direkten Kommunikation der Schüler/innen in der Diskussion, im Dialog, wo jeder von ihnen seine eigene Meinung zum Thema äussern kann. Ein solcher Zugang „kann von den Anhängern der jeweiligen Tradition als angemessenes Eingehen auf die Fragen, Sichtweisen und Bilder ihrer Tradition verstanden werden: Es wird wahrgenommen, dass dies Zeug-nis als Zeuge auch ausserhalb der Tradition kommunikabel ist.“ Auf diese Weise betrifft die Sache allein die didaktische Methodik, aber nicht die Entziehung des Platzes für die Religion im evangelischen Unterricht.

Es klang im vorherigen Kapitel der Gedanke an, dass fremde Religionen in den Bedingungen, die der evangelische Religionsunterricht  anzubieten hat, nur von der äusseren Betrachtung ausgehend gelehrt werden können. Aber bei allerbester Didaktik und bei bestem Willen kann es nicht anders sein, meint K. Meyer: „Solange die Schülerinnen und Schüler nicht zu Gläubigen werden, können sie nie ganz verstehen lernen, wie diese Tradition aus der Innenperspektive erlebt wird.“ Und noch dazu: „Im Schulunterricht ohne den entsprechenden Kontext werden die Schülerinnen und Schüler die mit diesem (Werk-)“Zeug“ verbunden Heiligkeit und Göttlichkeit nicht erfahren. Aber es verweist auf eine andere Wirklichkeit und ist gerade darin Fremder, gerade darin Gast im christlichen Unterricht, der diesem Verweisenden „Gegen-stand“ einen Raum gibt.“

Noch hinsichtlich dessen, dass die anderen Religionen  im schulischen Religionsunterricht nur von der äusseren Perspektive betrachtet werden können und deswegen wird es  für einen solchen Unterricht nicht besonders empfohlen.  Es ist besser überhaupt über eine Religion nichts  zu wissen als nur in solch begrenzter Weise. Eine der Positionen, die Meyer anführt, sagt aus, dass die Religion ihrer Funktion als Vermittlerin und Bewahrerin des Glaubens  im Unterricht nicht gerecht werden kann: Religion kann nur aus  dem Erleben ihrer Wahrheit heraus erfassbar sein. Das halte ich für kein seriöses Argument. Der Autor sieht  solche Begrenzheit u.a. darin, dass einiges aus der Religion nur in bestimmen geweihten Räumen und in bestimmter religiöser Atmosphäre erlebt werden  kann. Das stimmt schon. Einiges davon, was man direkt im Gottesdienst erlebt, wird nie im Schulraum zum Erlebnis. Aber das ist eben kein Ziel des Unterrichtes. Vom Christentum wird auch  nicht alles im Unterricht zum Erlebnis und  zur Erfahrung. Das Abendmahl wird als religiöser Vollzug im Gottesdienst, in der Kirche durchgeführt und dort tatsächlich erlebt. Nichts wird aber die theoretische Kenntnisse stören.  Es ist absolut nicht nötig, das Abendmahl als eine praktische Übung im Unterricht von Lehrer/innen durchführen zu lassen. So verhält sich die Sache auch bezüglich anderer Religionen: es ist gar nicht nötig, die Elemente der Liturgie oder anderer religiöser Vollzüge in der Schule zur Praxis zu bringen. Die Kenntnisse sind erfolgreich auf die theoretischen Ebene übertragbar. Das Erlebnis der Religiösität aus dem Bereich einer der Religionen wird in der Prüfung nicht geprüft.

Lernziele im Religionsunterricht

Die Lernziele des Religionsunterrichts bestehen,- so der Autor,- darin, dass die Lernenden einen «Sinn für religiöse Zeug-nisse» entwickeln. Was der Autor unter diesen Worten versteht, besteht aus einem ganzenVerzeichnis:

  • die religiГ¶sen GegenstГ¤nde und Sachverhalte wahrnehmen, beschreiben und klГ¤ren kГ¶nnen.В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В  В В  (Гџ sg. Sachebene)
  • die religiГ¶sen Seiten in der persГ¶nlichen Auseinandersetzung erfahren (sg. kommunikativ-existenzielle Ebene)
  • die Entzogenheit des kulturell Fremden und seine Anpruch kennenlehrnenВ (die Ebene war vom Autor ohne Bezeichnung gelassen)

    Bei Meyer wurde erstaunlicherweise nicht einmal die Ebene der Apologetik erwähnt. Zwar kann der Punkt c)  apologetisch genannt werden, aber nur teilweise. Die Disziplin der Apologetik ist zu unserer Zeit eine genug entwickelte wissenschaftliche Fachdisziplin, um sie mindestens im Visier  des christlichen religiösen Schulunterrichts zu haben. Die gegenwärtige Situation ist gekennzeichnet durch den religiösen Pluralismus und die zunehmende Säkularisierung aller Lebensbereiche. Dies hat einerseits zu einer Relativierung des eigenen Standpunktes und zum Verzicht auf Verabsolutierungen einer bestimmten Religion geführt; andererseits ist gleichzeitig – zum Teil als Gegenreaktion – die wachsende Suche nach neuen Formen des Religiösen (Sekte, Okkultismus u.a.) zu beobachten. Vom  Hauptziel des (religiöses) Lernens ausgehend, welches die grundlegende Lebensorientierung des Individuums ist, muss auch der Religionsunterricht dazu dienen, den Schüler/innen zu helfen zu verstehen was die Religion mit ihren Vor- und Nachteile bedeutet, wie man die religiösen Sekten erkennen kann, wo  dabei die Gefahren liegen, die direkt anscheinend mit dem Christentum nichts Gemeinsames haben, aber die zu dem Bereich christlichen Apologetik in Beziehung stehen und dadurch dem christlichen Unterricht nicht ganz fremd sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass die bibelorientierte Weltanschauung des Christentums  im Vergleich mit fremden Weltanschauungen anderer Religionen  immer ein Gewinn wird. Zwar hängt die Sache sicher vom Lehrer ab, inwieweit er objektiv und unabhängig von seinen eigenen religiösen Sympathien  das Material anbieten kann.

    Die Form des Dialogs zwischen dem Christentum und anderen Religionen im evangelischen Religionsunterricht
    Aller Wahrscheinlichkeit nach würde auf diese Weise das Durchführen des Unterrichts in der Form des Dialoges zwischen  Christentum und einer anderen oder mehreren Religionen die optimale Lösung darstellen. Man sagt, dass es ziemlich kompliziert ist, Argumente zu finden, um die Dialog-Form im Untericht zu widerlegen, weil eine solche Form der Unterrichtshermeneutik eigentlich für jeden Lehrstoff anzupassen ist. Jedenfalls wäre es didaktisch die harmloseste Lösung dafür. Bei einem solchen Dialog – wie der Autor der mir vorliegenden  Monographie meint – werden die Hauptziele solchen Unterrichtes mit Erfolg erreicht: die Lernenden bekommen  die Grundkenntnisse aus dem Bereich anderer Glaubensrichtungen vermittelt und es wird zugleich zu einem Boden, auf dem das Evangelium die Möglichkeit erhält, sich von einer anderen, neuen Seite zu entfalten. «Die Verwurzelung im eigenen Glauben ist deshalb auch in der Schule eine Grundlage des Dialogs.»

    Chancen zum Ergebnis des Unterrichts Гјber die Religion

    Die Ergebnisse, welche das Kennenlehrnen mit einem «Sinn für religiöse Zeug-nisse» leisten müsste, sind nach Meyer ziemlich vielversprechend: die Schülerinnen und Schüler werden lernen «Fremdheit bestehen zu lassen... Durch die Beschäftigung mit einem Gegenstand aus den Religionen übt der Unterricht in religiös und existentielle Denkbewegungen ein... Ein fremdes religiöses Zeug-nis im evangelischen Religionsunerricht eröffnet die Chance, in einem offenen Gespräch Kritik und Misstrauen neu zu formulieren, wie auch eigene alte Bilder neu zu durchdenken.» Solche Ergebnisse sind natürlich nicht zu unterschätzen, wenn man die Frage stellt, welchen Platz  die Religion im Unterricht hat.

    Zusammenfassung: Versuch der Antwort

    Wir wollen in diesem Kapitel alle schon erwähnten Divergenzen und Konvergenzen einander gegenüberstellen, um endlich zur objektiven Schlussfolgerung zu kommen, ob der Unterricht den Platz für die Religion hat. Oder nicht.

    Das Unterrichten in einer anderen fremden Religion für die Schüler der christlichen Konfessionen zeugt nach Meyer von der Erfahrung mit dem anderen fremden Heiligen. Dabei muss diese Erfahrung auf einer Distanz bleiben, dass sie in der Tat eine Erfahrung mit fremdem Heiligen bleibe, - diesen Gedanken unterstreicht der Autor ständig.

    So ist der als problemorientiert bezeichnete Religionsunterricht keineswegs eine inhaltliche, didaktische Alternative zum vorangegangenen sogenannten Bibelunterricht, sondern eine andere Methode, die Fragen und Probleme des Menschen heute aufzunehmen. Dem religionskundlichen Unterricht liegt das Interesse an wertungsfreier Information zugrunde.

    Womit lässt sich erklären und begründen, dass an den Universitäten (wo die Auswahl für religiöse Interessen reicher und freier als in den Schulen ist) die Unterrichtsangebote für die fremden Religionen mehr beansprucht und besucht werden, als jede beliebige christliche Veranstaltung? Manche Veranstaltungen mit christlicher Thematik locken kaum mehr als zehn Teilnehmer, aber die Veranstaltungen, die fremde religiöse Kulturen zum Thema haben, sind sehr gut besucht.  Es kommen in der Regel immer auch  Gasthörer/innen von anderen, nicht theologischen, Fachrichtungen! Lässt  sich dieses Phänomen mit ungenügender Unterweisung in den fremden Religionen während  der Schulzeit erklären? Oder im Gegenteil: wurde vielleicht gerade in der Schulzeit im Religionsunterricht solch grosses Interesse erweckt? K. Meyer versucht  etwas zu finden, was in der Mitte dieser zwei Vermutungen stehen könnte: einerseits darf es nicht zu wenig Information über andere religiöse Kulturen im christlichen Schulunterricht geben, um gute Vergleiche und Überblicke über die eigene religiöse Lehre und Kultur auf der Weltreligionskarte zu ermöglichen; andererseits, muss das Dargebotene im Unterricht objektiv behandelt werden: d.h. die dargestellte Religion muss, sowohl von ihrer positiven, als auch von ihrer negativen Seiten zur Aufmerksamkeit der Schüler/innen angeboten werden.  Ferner muss erklärt werden, warum es für uns als Christen etwas als Negatives betrachtet wird, was von den Vertretern anderer Religionen als positiv oder neutral gesehen wird. Im Hintergrund der positiven Momente anderer Religionen, muss den Schüler/innen im Unterricht deutlich klar   werden, warum und worauf sie als Christen auf ihre eigene Religion stolz sein können.

    Es scheint, als ob das Argument der Fremdheit bei K. Meyer das wichtigste ist: das Stichwort 'fremd' ist bei ihm überhaupt zu dem häufigsten und am ausführlichsten beschriebenen  Wort geworden.
    Dieser Aspekt der Fremdheit läuft auf folgende Grundmomenten hinaus: eine andere Religion wird im christlichen (evangelischen bzw. katholischen) Religionsunterricht immer ein Fremdkörper bleiben. Sie ist fremd, und zwar vielseitig: sowohl in religiöser, als auch in kultureller Hinsicht im Kontext des christlichen  Unterrichts. Ausserdem ist die Religion auch fremd als ein 'heiliges' Element auf dem profanen Boden der Schule. Aber diese Fremdheit, wie es im Laufe der obigen Kapiteln geklärt wurde, kann keine Ursache dafür sein,  die Religionen überhaupt nicht zu unterrichten  Das Christentum lässt sich auch als ein 'heiliges' Element auf der profanen Ebene der Schule einschätzen . Aber dank der richtigen Didaktik wird es zum organischen Teil des ganzen Schulplanes. Die Religion muss nicht wie das Hineintragen des Heiligen in den Unterricht verstanden werden, sondern als ein wissenschaftlich-religiöses Objekt der in der Schule zu übertragenden Kenntnisse.
    K. Meyer versuchte das Problem auch von einer anderen Seite zu betrachten: ob es möglich ist, den Lernenden das Lehrmaterial über die Religion objektiv genug darzustellen, wenn sie allein von theoretisch-wissenschftlicher Seite nur in einer minderwertigen Form darstellbar ist. Die Religion lässt sich also in der profanen Atmosphäre des Schulraums nicht erleben. Und doch laufen alle Überlegungen zu der positiven Antwort der am Anfang gestellten Frage, nur muss die Religion nach dem Autor den Status der Fremdheit behalten. Das wird möglich, wenn man den Lehrstoff über die Religion dem Geist des evangelischen Unterrichts unterordnet, und auch, wenn man die andere Religion als Gast im Unterricht versteht: man geht mit ihm respektvoll, aber auch distanzierend um.
    Alle mögliche Divergenzen, die man als die negativen Argumente darstellt, sind nach K. Meyer völlig lösbar, wenn man im Unterricht die richtige Ortsfindung vornimmt. Alle Überlegungen und Schlussfolgerungen zusammenfassend kommt als Antwort von Meyer auf die Frage nach dem  Platz für die Religion im evangelischen Unterricht  -
    „das Ja mit dem Aber“. Das „Aber“ fordert:

    • die fremde Religion muss im christlichen Unterricht den Status eines Gastes haben. Der Autor gibt sein eindeutiges В«JaВ» fГјr den Unterricht der anderen Religionen innerhalb der christlichen Lehre, er unterstreichtВ  aber dabei die WГ¶rter В«GastВ» und В«GegenstandВ». Er ruft auf, sich auf die Einladung zu beschrГ¤nken und nicht lГ¤nger als es einem Gast gebГјhrt zu bleiben
    • das Material Гјber Religion muss dem eigentlichen Unterrichtsstoff untergeordnet sein. D.h., alles, was den Lernenden Гјber fremde Religionen angeboten wird, muss im Geist des evangelischen Religionsunterrichts gelehrt werden.
    • der Lehrstoff zu dem Unterricht Гјber andere Religionen muss auf einer Linie mit dem Vergleich der Lehre, Ethik, Kultur und Tradition der eigenen christlichen Religion bleiben. Der christliche Religionsunterricht ist kein Unterricht der Religionskunde, sondern der evangelischen (bzw. katholischen) Lehre. Das Unterrichten in der christlichen Religion fГјr die christlich zu erziehenden Kinder ist doch das Hauptziel des evangelischen Unterrichts. In diesem Sinne hat das Unterrichten einer fremden Religion fГјr sie ein anderes Ziel.В  Der Verfasser definiert es als „Zeugnis von fremder Religion“.

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