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Die Textkritik von Psalm 121

Literarkritik

Einerseits ist der vorliegende Text deutlich durch die Überschriften am Anfang und am Ende begrenzt: die Vermutung, dass  die Überschrift  nicht zum Psalm 121 gehört, indem es die

Lyre aus der Zeit von König DavidLyre aus der Zeit von König David

Unterschrift des Psalmes 120 ist,  wäre denkbar, denn bei allen Psalmen sind uns Über- als auch Unterschriften bekannt. In diesem Fall enstünde aber eine inhaltliche Dissonanz mit einer solchen Unterschrift des Psalms 119, wenn sich alle Überschriften der Psalmen-Gruppe 120 – 134 zu den Unterschriften vorstehenden Psalmen verschieben würden: der Psalm 119 kann seinem Inhalt nach keine solche Unterschrift haben. Dadurch werden die deutlichen Grenzen dieses Textes klar: die Überschrift dieses Psalms und der Titel des nächsten Psalms sind deutliche Grenzen für meinen Text. Der Text endet  in sich sinnvoll mit den Segensworten und muss eigentlich nicht weitergelesen werden. Der Text des Ps 121 ist in sich selbst eine Sinneinheit und er ist auch ein Teil einer grösseren Sinneinheit, welche alle Psalmen mit dem Überschrift bilden. So würde ich behaupten, dass der Text des Ps 121 literarische Integrität hat, und nur die Überschrift des Psalms die Diachronie mit dem eigentlichen Text schafft, indem sie höchstwahrscheinlich nach der Erstverschriftung entstand und erst bei seiner Einbindung zu der ganzen Zusammensetzung des gesamten Psalters bzw. des Teiles „...; ryv? “.
Der zu betrachtende Text hat in seinem näheren u. weiteren Kontext Parallelstellen und sogar die buchstäblichähnliche Verse. Die Strophe aus dem Vers 8 hat als Grundtext das Segenswort aus Deut 28,6 und in der Strophe im zweiten Vers behandelt der Verfasser den Motiv der Schöpfungsgeschichte des ersten Kapitels des Buches Genesis. Also haben wir hier als Quelle des Textes dieses Pslams eine selbständige Schrift zu sehen.
Parallel und buchstäblich ähnlich ist für die Strophe aus dem Vers 2 die Strophe aus Ps 124,8 und für den Vers 3 die Strophe aus dem Ps 66,9. Auch findet man inhaltlich sehr ähnliche Stellen im Vers 1 und im Ps 123,1. Die genannten Sätze sind sicher verwandte Sätze, aber zu bestimmen welcher der Psalmen als Quelle für die anderen diente, ist praktisch unmöglich. Diese Parallelen darf man durch die gemeinsamen schriftlichen Quellen oder dem selben Autor erklären. Die Entstehung gleicher Verse durch ein und denselben Autor wäre dabei ein gewichtigeres Argument, denn wir betrachten hier die o.g. Ähnlichkeiten innnerhalb einer Gruppe der Psalmen mit der Selbstbezeichnung „Das Lied...„. 
Zu den stilistischen Spannungen könnte man das Wechseln zwischen Dialog und Selbstgespräch rechnen, aber im Kontext des ganzen Buches der Psalter ist es gar keine Spannung, sondern ein literarischer Stil bzw. Methode: es ist eigentlich ein typisches Merkmal für fast alle Psalmen.  So hat der Text dieses Psalmes durchaus einen Stil.
Der Endtext des Ps 121 bietet  keine deutlichen Anzeichen literarischer Uneinheitlichkeit (ausser seiner Überschrift, die mir, wie schon oben gesagt wurde, als spätere Ergänzung des Sammlers des Teiles Pss 120 – 134 zu diesem Psalm scheint) durch sprachliche, stilistische oder inhaltliche Spannungen und ist meiner Beobachtungen nach ein literarisch integrer Text.

Formgeschichte / Gattungsanalyse

Die Überschrift ist eigentlich eine Selbstbezeichnung der Gattung des Werkes. Der Genre ryvi wird als ein zusammenfassender Begriff benutzt: z.B. im Ps 108,1. Hier steht zusammenfassend anfangs die Formbezeichnung ryv und dann nur als ein dem „Lied„ untergeordneter Begriff  rAmz>mi Das heisst, dass der Psalm eines der Liedergenre ist. Den Unterschied zwischen den verschiedenen Arten von Liedern in der jüdischen Vorstellung sieht man auch in den Worten des Apostel Paulus im
Eph 5,19: „ lalou/ntej e`autoi/j yalmoi/j kai. u[mnoij kai. wv|dai/j pneumatikai/j( a;|dontej kai. ya,llontej evn th/| kardi,a| u`mw/n tw/| Kuri,w|.... „
In unserem Fall steht  ryvi in seinem generischen Sinn, ohne weitere Erläuterung.
Im Bezug auf die Art des Liedes, im Text durch das Wort  hl;[]m; erläutert, herrscht bis jetzt keine Einigkeit. Es gibt dazu mindestens 4 Varianten, deren Zusammenstellung wir W. Gesenius verdanken.
hl;[]m; der im Bezug auf die Psalmen verschieden gedeutete Ausdruck kann bedeuten:
1) Psalmen, die auf den Stufen zwischen dem Vorhofe der Männer und dem der  Frauen gesungen wurden.
Das ist die Meinung Jacobs, die in der „Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft„ veröffentlicht worden ist.
W. Gesenius meint, dass es „auf Missverständnis von Middot„ beruht.Der Chor der Leviten im Zweiten Jerusalemer Tempel - die Darstellung der Spezialisten aus dem Tempel-Institut in Jerusalem. Viele von den Psalmen werden im Tempel gesungen, auch extra für die Liturgie im Tempel komponiert

Der Chor der Leviten im Zweiten Jerusalemer Tempel - die Darstellung der Spezialisten aus dem Tempel-Institut in Jerusalem Viele von den Psalmen werden im Tempel gesungen, auch extra fГјr die Liturgie im Tempel komponiert


2) Stufenartig rhythmisierte Psalmen, weil ein neues Glied einen Teil des vorhergehenden wiederholt.
Z.B. auch wie in den Psalmen 122, 123, 124, 126 und 129. Eine solche Erklärung befriedigt aber nicht ganz: es gibt ja die Psalmen, die sich als  לַמַּעֲלוֹת ryvi charakterisieren (insgesamt 15: vom Ps 120 bis 134), aber nicht alle sind auf obengenannte stufenartige Weise konstruiert. Diese Meinung vertritt F. Delitzsch: „Das hervorstehendste Merkmal von Ps 121 ist die staffelförmige Gedankenbewegung: er ist לַמַּעֲלוֹת nach Art der Stufen geformt. Die Ansicht, dass wir ein Wanderlied vor uns haben, hat den Anfang gegen sich, welcher auf einen festbegrenzten Gesichtskreis und festen und von den heimatlichen Bergen fernen Wohnort schliessen lässt.“   Auch laut der jüdischen Literatur führte aus dem Vorhof der israelitischen Männer in den Vorhof der Frauen eine halbkreisförmige Treppe mit 15 Stufen hinab, und auf diesen 15 Stufen, die den 15 Stufen-Pss entsprechen, musizierten am Abend des ersten Laubenfesttags die Leviten.
3) Psalmen der RГјckkehr aus Babel
4) Wallfahrtspsalmen
Das ist die dominierende Meinung und sie scheint viel sinnvoller zu sein, besonders auf Grund dessen, dass alle sogenannten kleinen Sammlungen des Psalters nach dem inhaltlichen Sinne gesammelt worden sind (nicht etwa nach Rhythmus u. ä.)  Wie es auch heute die Tradition des Umgangs mit den Psalmen in den Kirchen verschiedener Konfessionen geblieben ist: jeder Psalm bzw. Psalmensammlung werden zu bestimmten Anlässen gelesen.

So scheint es wirklich so zu sein, dass der Ps 121 drei mal pro Jahr in Jerusalem vor dem Angesicht Gottes gesungen wurde. Und der Psalm 121 ist die Liturgie, welche das liturgische Wechselgespräch enthält. Aus damaliger Sicht ist der zu betrachtende Text die musikalische Poesie des palästinensischen Bereichs, die höchstwahrscheinlich – wenn wir die Geschichte dieses Volkes mit ins Spiel nehmen wollen - ursprünglich noch die Elemente der Kanaaneischen Prägung behalten sollte. Jedes Genre aber unterliegt der zeitlichen Verformung und Änderung und deswegen würde ich aus heutiger Sicht, - dadurch, dass der zu betrachtende Text sich in einem der Bücher der Bibel befindet, wird diese Gattung mit Recht in der Weltliteratur als ein spezifischer „biblischer„ Stil bezeichnet, - auch den Stil des Textes als Hymne mit folgender Erläuterung bezeichnen: der Text des Psalms 121 ist seiner Gattung nach ein Lied religiösen Inhaltes (der Text ist rein theozentrisch), der zu den kultischen Zwecken bestimmt war. Das zum Einem. Zum Zweiten: Es sind zwei Stimmen, die eine klagend und die andere beruhigend. Graetz meint eindeutig, dass es „Chor„ und „Gegenchor„ sind, die einen Stufengesang singen.   Von den Psalmen-Forschern wird hauptsächlich die Person des Hauptpriesters, der die Verse 3 bis 8 vorträgt, vorgeschlagen. Die Struktur dieses Psalms „Frage-Antwort„ kann wohl das Gespräch eines Fragenden mit  dem Priester sein, der ihm mit prophetischen Worten antwortet.  Merkwürdig ist die Tatsache, dass die Juden in den Psalmen, die heutzutage oft nur als religiöse Dichtung betrachtet werden, auch prophetische Bedeutung sahen (Apg 1,20ff, 13,33, Lk 24,44, Mt 22,43). Davon ausgehend kann man vermuten, dass wir es hier mit einer Mischung von zwei Formen zu tun haben: das Lied und die Prophetie.

Гњberlieferungsgeschichte

Die Lieder sind eigentlich generell als literarische Form zur mГјndlichen Verwendung bestimmt, entstanden aber alle unterschiedlich. In Bezug auf einige Psalmen besitzen wir die Information, dass sie wahrscheinlich zuerst in mГјndlicher Form erschienen und erst dann schriftlich fixiert wurden.
Der Text dieses Psalms enthält keine Redewendung, von der man sagen könnte, dass sie mit Bestimmtheit zu einer mündlichen Form gehört hätte. Das heisst, jede Strophe im Text ist vom Verfasser schon so literarisch bearbeitet, dass der Text als völlig zur schriftlichen und zwar zur erhobenen schriftlichen Sprache adoptiert gesehen werden muss.
Die Strophe aus dem Vers 8 hat als Grundtext das Segenswort aus Deut 28,6 und in der Strophe im zweiten Vers behandelt der Verfasser das Motiv der Schöpfungsgeschichte des ersten Kapitels des Buches Genesis. Parallel und buchstäblich ähnlich ist für die Strophe aus dem Vers 2 die Strophe aus Ps 124,8 und für den Vers 3 die Strophe aus dem Ps 66,9. Auch findet man inhaltlich sehr ähnliche Stellen im Vers 1 und im Ps 123,1. Die genannten Sätze sind sicher verwandte Sätze, und wenn sich diese Verwandtschaft nicht aufgrund eines gemeinsamen Verfassers erklären lässt, dann wäre die Folgerung logisch, dass es sich um feste Redewendungen aus der damaligen hebräischen Sprache handelt.

Wenn man in Betracht die schon früher erwähnte Vermutung zieht, dass die Verse 3 bis 8 die prophetische Antwort des Priesters ist, haben wir in diesem Fall mit mündlicher Quelle des Vevassers des Ps 121 zu tun. Als eine prophetische Aussage sollten wohl die Worten des Pristers gemäss seinem Autorität eine Intention haben, weiterzuerzählt werden. Das bedeutet nun, dass der uns vorliegende Text nur eine der Variationen vieler Überlieferungen sein kann. In diesem Fall ist der Textabschnitt V. 3 bis 8 unstabil: die Worte des Pristers bzw. eines Prophetes waren aufgrund der dichterischen Änderungen, die die literarische Form „Lied“ unbedingt forderte, geändert, indem diese Worte gereimt waren.

Zu den stilistischen Spannungen ,wie schon früher bezeichnet, könnte man den Wechsel zwischen Dialog und Selbstgespräch rechnen und damit diese Teile zwei verschiedenen mündlichen Quellen zurechnen: ein Mensch war der Fragende und der andere der Antwortende auf seine Frage. Mehr dazu lässt der mir vorliegende Text nicht sagen: andere mündliche Vorgänge kann man hinter dem Psalm nicht mehr erkennen, sie sind doch vorauszusetzen.

Redaktionsgeschichte

Bei der Betrachtung der Literaturkritik und der Überlieferungsgeschichte des Psalms 121 wurde erkannt, dass der zu betrachtende Text nicht ganz einheitlich zu sein scheint: zuerst stellt sich meiner Beobachtung nach der Titel des Psalms als eine spätere Einfügung dar, die meiner Meinung nach als Ziel die „Einpackung„ dieses Liedes in die anthologische Sammlung Pss 120 – 134 des Psalterbuches hat; und als nächstes fiel als ein Zeichen einer möglichen Uneinheitlichkeit des Textes der Wechsel der Personalpronomen auf: im Block V. 1+2 ist die Rede von der ersten Person Sing. und V. 3 bis 8 ist ein Übergang zu „du„. Auch die Ähnlichkeiten mancher Strophen mit den anderen Stellen des Psalterbuches und der Tora wurde in der o.g.  Kapiteln bemerkt: das sind die Strophe aus dem Vers 2 und die Strophe aus Ps 124,8; der Vers 3 ist fast identisch die Strophe aus dem Ps 66,9; und man findet auch inhaltlich sehr ähnliche Stellen im Vers 1 und im Ps 123,1. Alle diese Merkmale der möglichen Uneinheitlichkeit des Ps 121 geben den Impuls, sie als Folgen einer redaktionellen Bearbeitung des Textes hin zu prüfen.

Die Überschriften im Alten Testament lassen eigentlich fast immer einen redaktionellen Eingriff in den Text vermuten. In diesem Lied würde ich לַמַּעֲלוֹתi auch als liturgischen Vermerk des Redakteurs bezeichnen. Diese Titelergänzung forderte hauptsächlich der nähere Kontext des Psalters: innerhalb der liturgischen Anthologie Pss 120 – 134 müssten eigentlich alle Lieder in einem Zusammenhang gesehen werden, was der Sammler dieser Gruppe der Psalmen – der höchstwahrscheinlich auch gleichzeitig der Redakteur dieser Gruppe der Psalmen geworden war – mittels der Titel erreichen wollte, denn wir sehen, dass alle Psalmen der oben genannten Gruppe auf eine liturgische Art benannt sind. Ich glaube aber, dass  לַמַּעֲלוֹת wirklich nur ein liturgischer Vermerk ist und der Redakteur des Psalms 121 gar nicht wollte, dass  לַמַּעֲלוֹת schon zum Text des Liedes gehörte und es war auch nicht so, denn diese Worte sind höchstwahrscheinlich nicht gesungen worden. Es kann aber auch sein, dass derjenige, der den Titel in diesen und andere Psalme in der Gruppe 120 - 134 einsetzte gleichzeitig der Autor, welcher extra für den Gottesdienst die Lieder verfasste, einiger dieser Psalmen war. In diesem Fall wäre auch die Titeleinsetzung keine redaktionelle Handlung. Diese Version ist auch nicht abwegig, wenn auch weniger wahrscheinlich, denn den Inhalt des Psalms würde ich als nicht rein liturgisch charakterisieren.  Er ist eigentlich schon seinem Inhalt nach ursprünglich nicht für einen Gottesdienst gedacht, wie z.B. die Halleluja-Psalmen, sondern er spricht über Not und Trost, die der Autor erlebte.
Der Redakteur musste wohl einen fundierten theologischen Stand haben. Wer solche Änderung vornimmt, sollte unbedingt eine bestimmte Vollmacht dafür haben. So vermute ich, dass seine Aufgabe ein musikalischer Dienst im Tempel war. Und aus 1. Chr. 23,1-5 haben wir die Information, dass durch David die musikalischen Dienste im Tempel festgelegt wurden. Dadurch ist uns Zeit und Ort ungefähr klar: Jerusalem, um XI Jh. vor Chr. Dass der Psalm 121 ein ziemlich später Psalm ist, sehen wir im Vergleich zu anderen. Aber hinsichtlich der Ortsbestimmung sind nicht alle in seinen Meinungen einig: „Es ist keineswegs ausgemacht, dass der Ps 121 nachexilisch ist“,- so Kraus   „Abfassungszeit wohl nachexilisch. Dafür spricht die in V. 6 enthaltene persische Vorstellung, dass der Mond und auch wohl die Sonne eine dämonisch schädliche Wirkung ausüben…“  

So ist seit der ersten Schriftfixierung des Ps 121 bis zur Endgestalt dieses Textes nur die Ergänzung der ersten Zeile festzustellen, denn was den Wechsel von „ich„ zu „du„ und die Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Stellen des Alten Testamentes betrifft, meint K.Seybold in seinem Werk „Die Psalmen„, dass der zu betrachtende Text mehrere Ergänzungen erlebte, und zwar, dass die Verse 4 und 7 (oder 8) ergänzt wurden. Ich denke in Bezug auf diese Stellen, dass das aber nicht unbedingt durch eine redaktionelle „Operation„ des Textes entstanden sein muss. Ich würde es nicht als redaktionellen Eingriff bezeichnen, sondern als das Benutzen zweier mündlichen Quellen vom Autor, die er in poetischer Form besungen hat.

Traditionsgeschichte

„Die Psalmen sind aus dem Gottesdienst Israels erwachsen. Jeder einzelne von ihnen fasst einen gottesdienstlichen Vorgang in sich, ist ein Teil gottesdienstlichen Lebens. Auch im Ps 121 zeigt sich der Zusammenhang von Gotteslob und Geschichte. Wallfahrten zu heiligen Stätten wurden schon im alten Ägypten, bei Persern, Griechen und Römern unternommen. Im Judentum waren Wallfahrten zum Tempel nach Jerusalem anlässlich des Passah- oder des Laubhüttenfestes üblich, der Ps 121 stammt aus einer Reihe von Psalmen der Wallfahrtsliturgie. Die letztere ist heute faktisch nach ihrem Verlauf nicht mehr rekonstruierbar, deswegen ist das Verständnis des Zweckes dieses Psalms nicht eindeutig. 
Eigentlich gibt es im Ps 121 viele veraltete Begriffe und Redewendungen, die in unserer Zeit seit langem nicht mehr aktuell sind. Außer der Trostthematik findet der heutige Leser in diesem Psalm für sich nichts Gegenwärtiges. Selbst das Auftreten (also auf welche Art und Weise, wo, von wem u s.w. u. s.f.) dieses Psalms ist für uns heute eine Diskussionsfrage geworden, weil vieles aus damaligen Wallfahrten verlorengegangen und nicht mehr rekonstruierbar ist. Laut Middoth II, 5 Succa 51b führte aus dem Vorhof der Männer in den Vorhof der Frauen eine halbkreisförmige Treppe mit 15 Stufen hinab, und auf diesen 15 Stufen, die den 15 Stufen-Pss entsprechen , musizierten am Abend des ersten Laubhüttenfesttags die Leviten. Aber zum Problem des Verständnisses des Zweckes dieses Psalms wurde schon zuvor viel gesagt.
Im behandelten Psalm findet man wenige Merkmale, die als Beeinflussungen aus der Wallfahrtstradition der Nachbarvölker übernommen sein könnten. Vielmehr ist dieses Lied auf eigener jüdischen Tradition basiert: im Vers 2 findet man die Behandlung der Schöpfungsgeschichte und im Vers 8 die Segensformel aus der Tora. Manche Psalmenforscher sehen aber auch in diesem Lied die Einflüsse anderer Kulturen: „In der babylonischen Welt,“- so Kraus,-„werden dem Mondgott unheilvolle Wirkungen zugeschrieben. Von ihm gehen Fieber und Aussatz aus. Aber auch an Mondsüchtigkeit, die als dämonische Besessenheit verstanden wurde, könnte gedacht sein (vgl. Mt 17:15).„
Eine besondere Art des Segensempfanges für den einzelnen findet man nicht nur im Text des Ps 121, sondern auch in anderen Psalmen: z.B. im Ps 91, Ps 128, 4. So ist die geistliche Prägung des zu betrachtenden Textes in der Tradition der jüdischen Lieder dadurch gut erkennbar.
AuГџer der o.g. Beobachtungen bietet der Text keine besonderen traditionsgeschichtlichen Momente.

Einzelexegese

Die auf verschiedene Weise deutende Überschrift des Psalms ist schon oben untersucht. Von meiner Seite her würde ich in der Frage über  לַמַּעֲלוֹת oder לַמַּעֲלוֹת das Wortspiel vermuten. Jede einzelne der obengenannten Varianten hat recht und wird – wie es immer im Wortspiel ist – von der anderen Bedeutungen eines und desselben Wortes ergänzt.  Die Präposition l wurde höchstwahrscheinlich gerade mit diesem Zweck gebraucht. Das Wortspiel in eine andere Sprache zu übersetzen ist in den meisten Fällen eine unmögliche Aufgabe. Im Ps 121 ist es genauso der Fall: die Wörter „Aufstieg„, „Wallfahrt„ und „Stufenrhythmus„ klingen im Deutschen nicht ähnlich. Anders aber im Hebräischen: das Wort hl;[]m; hat höchstwahrscheinlich in der kleinen Sammlung der Psalmen 120-134 mit allen diesen Begriffen „gespielt„. Es gibt ja im Alten Testament kaum ein Buch, welches diese literarische Methode nicht verwendet, so impliziere ich diese literarische Methode auch auf dieses Lied.

Über das Motiv der Berge in diesem Vers klingt die Meinung von Klaus Seybold eigentlich unerwartet: „Als Anlass des Psalms kann wie bei Ps 42f. ein Unfall im Gebirge angenommen werden. 1 bezieht sich primär wohl nicht auf „heilige Berge“, sondern auf den Ort  der Not.“ Eine, der von Kraus eingeführten Theorien zu dieser Frage ist folgende: „In Palästina sind die Berghöhen Göttersitze und Kultorte. Die Frage in 1 könnte zweifelnd gemeint sein: Von welcher der Höhen kommt mir Hilfe?„.

In dem Pronomenwechsel in den V. 3 bis 8 sieht Josef Kürzinger ein Selbstgespräch, wie auch in V.2 der Beter seine eigene Frage von V.1  beantwortet. H. Lamparter zu dieser Frage: „Zwei Möglichkeiten der Deutung bieten sich an: a) Es kann sich um ein Selbstgespräch des Frommen (vrgl. Ps 42,6) handeln, von dem Psalmisten in die dichterische Form des Dialogs gefasst. b) Dem Ausziehenden wird von einem andern, Zurückbleibenden, ein „Reisesegen“ auf den Weg gegeben. Dabei kann man an einen Vater denken, der seinen Sohn unter Gottes Hut befiehlt, oder an den Zuspruch des Priesters, der einem Trostbedürftigen kraft seinen Amtes diesen Reisesegen erteilt. Für welche beide Möglichkeiten man sich entscheidet, fällt für die Erfassung des Inhalts nicht ins Gewicht.“

Zum Psalm in Ganzem: Es werden besonders die Worte „der HERR“, „hüten“ und
„du = dich“ betont und wiederholt: Das sind tatsächlich die Wörter, die die gesamte Thematik des Psalms bilden. „Die Segensworte beziehen sich auf Fuß (3), Hand (5), Kopf (6?), Leib und Leben (7), Weg (8) und sind insofern sinnvoll gereiht.“  
Innere Fortschritt erreicht seinen Höhepunkt in V. 8.

Drei entscheidende Zusagen fГјr die Hoffnung und Vertrauen in diesem Psalm:

  1. Gott ist Schöpfer Himmels und der Erde
  2. Gott ist der „Hüter Israels“
  3. Gott ist HГјter des einzelnen Gliedes des Gottesvolkes.

Gesamtinterpretation

Alles zusammenfassend, was Гјber diesen Psalm zur Entstehungsgeschichte und der weiteren Verformung des Textes gesagt worden ist, gehe ich auf das inhaltliche Ziel des Textes ein. Was kann uns dieser Text, der zur kultischen Verwendung des kleinen Volkes Israel vor sehr langer Zeit verwendet wurde, sagen?

Das ist die Botschaft des Psalms: „Der HERR ist dein Hüter„. In seiner Zeit wollte Psalm 121 dem Lesenden oder Hörenden vermitteln, dass an seiner Seite der Allmächtige steht, der über die Sonne und den Mond Macht hat. Der Psalm versichert einem, der Gott um die Hilfe bittet, dass Antwort von Ihm kommt. Auch in unserer Zeit gilt noch für den Menschen, dass er häufig hilflos ist, wenn er nur auf seine eigenen Kräfte hofft. Von daher ruft die Botschaft des Psalms auch in unsere Zeit hinein: „Der HERR ist dein Hüter„. Der 121. Psalm ist ein Trostpsalm. Gerade darin liegt seine allzeitliche Aktualität: jeder von uns braucht im Leben die Hilfe eines Verteidigers. In verschiedensten und oft ganz unerwarteten Lebenssituationen… Die Spezialisten aus dem Tempel-Institut haben bereits für den Dritten Jerusalemer Tempel die Musikinstrumenten gefertigt: wie sie behaupten genau solche, wie im Zweiten Tempel gewesen sind

Die Spezialisten aus dem Tempel-Institut haben bereits fГјr den Dritten Jerusalemer Tempel die Musikinstrumenten gefertigt: wie sie behaupten "genau solche, wie im Zweiten Tempel gewesen sind"

Nicht nur eines Engels Schutz wird uns im Psalm gewährt. Der Herr selbst steht uns mit seiner ganzen Macht und Treue zur Seite. Obwohl es scheint, als ob Gott schläft oder schlummert, er ist da, als „Schatten über deiner rechten Hand„. „Das werden wir zuletzt gewiss erfahren, wenn wirs nur erharren können.„ - das sind die Worte Martin Luthers zu diesem Psalm - eines grossen Gottesmannes, der gewiss nicht nur einmal in seinem Leben die Trostworte, die dieser Text bietet, tief bis zum Herzen erlebte. Meine Zustimmung zu seinem Verständnis äussernd, möchte ich die Gesamtinterpretation des Textes und der ganzen Arbeit insgesamt mit seinen Worten, mit welchen er die Auslegung des Ps 121 zusammenfasst, beenden. Sie haben von ihrer Aktualität nach fast einem halben Jahrtausend leider nichts verloren:
Der ganze hunderteinundzwanzigste Psalm ist „…in universaler Kürze zusammengezogen, als wollt Er (Gott) sagen: Ich bin der Schöpfer Himmels und der Erde und darum auch Hüter deines Leibes und deiner Seele Tag und Nacht und Betreiber alles Unglücks. Das heisst den Glauben lehren, der nicht als eine kalte Qualität in der Seele liegt, wie die Sophisten und die Schwärmer lehren… Wenn er davon hört, so rührt es ihn nicht. Wenn du zu ihm davon sprichst, so belehrst du einen Stein und Klotz.„

Гњbersetzung

1В  Ein Lied der Wahlfahrten.
Ich werde meine Augen auf zu den Bergen heben,
woher meine Hilfe kommen wird.
2  Meine Hilfe – vom HERRn aus,
der Himmel und Erde geschaffen hat!
3В  Er wird nicht zulassen,
deinem Fuss zu wanken;
Er wird nicht schlummern -: dein HГјtender.
4В  Schau mal:
Er wird nicht schlummern und noch schlafen-:
der HГјtende Israels.
5В  Der HERR ist dein HГјtender.
Der HERR ist dein Schatten:
daneben, rechts von dir.
6В  Am Tag wird die Sonne nicht stechen
und der Mond in der Nacht
7  Der HERR wird dich vor allem Bösen behüten
(indem) Er deine Seele behГјten wird.
8В  Der HERR wird deinen Ausgang und deinen Eingan behГјten,
von jetzt an bis in Ewigkeit.

Psalm 23


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