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Aristeasbrief (134-139) - Polemik gegen Götzendienst

Aristeasbrief 134 – 139

134 An diesem Punkt einsetzend, legte er auch dar, daß alle übrigen Menschen außer uns glauben, es gebe viele Götter, obwohl sie (selbst) doch viel mächtiger sind als jene, die sie törichterweise verehren.
135 Sie basteln sich nämlich Standbilder aus Holz und Stein und sagen, es seien Bilder von denjenigen, die etwas für ihr Leben Nützliches erfunden haben. Diese beten sie an, obwohl sie (deren) Bewußtlosigkeit doch vor Augen haben.
136 Denn wenn einer wegen seiner Erfindung zum Gott gemacht wird, so ist dies völlig sinnlos. Sie nehmen nämlich nur einzelne Teile, die schon geschaffen sind, setzen sie zusammen und zeigen einen zusätzlichen Nutzen auf: die Grundbeschaffenheit ist aber nicht ihr Werk.
137 Daher ist es dumm und töricht, seinesgleichen zu vergotten. Außerdem sind auch heute noch viele Menschen reicher an Erfindungsgabe und Kenntnissen als die damals (lebenden), und doch denkt keiner daran, sie kultisch zu verehren. Und die, die das ersonnen und erdichtet haben, halten sich füt die weisesten Griechen!
138 Lohnt es sich da, über die anderen, noch viel dümmeren zu reden, die Ägypter und ähnlichen (Völker), die an Tiere glauben, und dabei noch meistens an Kriech- und Raubtiere, und ihnen opfern, lebendigen wie auch ihren Kadavern?
139 Da nun der Gesetzgeber als Weiser, der von Gott zur Erkenntnis aller Dinge befähigt wurde, (dies) alles klar erkannte, umgab er uns mit undurchdringlichen Wällen und eisernen Mauern, damit wir uns mit keinem anderen Volk irgendwie vermischen, (sondern) rein an Leib und Seele bleiben und - befreit von den tötichten Lehren - den einzigen und gewaltigen Gott überall in der ganzen Schöpfung verehren.

Zu den Entstehungsfragen und dem Inhalt des „Aristeasbriefes“

Autor
Der Verfasser des Briefes gibt vor, ein hoher Hofbeamter Ptolemaios II Philadelphos mit Namen Aristeas zu sein.

Ptolemaios II Philadelphos war der Sohn des Stifters der Dynastie der Ptolemaer in Ägypten – Philadelphos I. Seit dem Tod seines Vaters 283 v. Chr. war er Alleinherrscher.

Er bezeichnet sich selbst als Heiden.
„Es ist unbestritten, dass der Verfasser ein alexandrinischer Jude und das Werk demnach ein echtes Pseudepigraphon ist“. – meint ein der Aristeasbrief-Forscher dieses Werkes Norbert Meisner, zwar begründet er seine feste Position mit keinem einzigen Argument.
Der Verfasser selbst versucht den Wahrheitsgehalt seiner Erzählung durch fingierte Dokumente zu belegen: er erwähnt das Edikt zur Freilassung der jüdischen Sklaven in Ägypten, eine Eingabe des Demetrios und den Briefwechsel zwischen Philadelphos und Eleazar buchstäblich. „es ist unbestreitbar, dass der Verfasser echte Dokumente seiner Zeit gekannt haben muss“,- schreibt weiterhin Meisner.
Es wurde also „Aristeasbrief“ zu den Pseudepigraphen der hellenistisch-römischen Zeit angeordnet.
Ich persönlich finde aber, dass die Pseudonymität des Aristeasbriefes durchaus schwach begründet ist. Ich wage zu sagen, dass die Behauptung, dass der Aristeasbrief zu der Pseudepigraphie gehört, geht gar nicht weiter, als einfach eine hypothese zu sein.

Adressat – der Bruder des Verfassers Philokrates. Indem aber, dass das Werk die griechische Übersetzung propagiert, ist für die Forscher eine wichtige Frage bezüglich des Aristeasbriefes: Wem wird diese Übersetzung empfohlen? Wer ist also der Adressat des Schreibens?
Schürer: „die Wahl dieser pseudonymen Form beweist, dass alle diese Schriften für heidnische Leser berechnet sind und unter der Heiden für das Judentum Propagnda machen wollen.“
Die alexandrinischen Juden sind unter den vermutenden Adressaten dieser Schrift.

Grund fürs Schreiben - wird der Bildungshunger des Adressates angegeben. In generellem Sinn aber – der Propagande der griechischen Übersetzung des Pentateuch.
„Pseud-Aristeas“ – wie der Verfasser dieses Briefes oft genannt wird - versucht den Eindruck zu erwecken, als sei die von ihm genannte Übersetzung einzige (oder zumindest die einzig vollständige), älteste und legitimierte.

Stilform
Der ganze Bericht ist in Form eines Briefes gehalten.
Urkunden, Beschreibungen und Dialoge wechseln miteinander ab.

Zeit der Entstehung

Es herrscht keine Einigkeit über den Abfassungstermin: die Vorschläge reichen vom Ende des III. Jhs. vor Chr. bis nahe ans II. Jh. nach Chr. (Unter den Argumentationen sind die literarische Abhängigkeitsverhältnisse in der jüdisch-hellenistischen Literatur, die sprachliche Analyse (z.B. formelhafte Wendungen bestimmtter Zeit). Der Autor schreibt Koine-Griechisch. Viele Worte, Wendungen und Stilgepflogenheit haben im Papyrusschrifttum der ptolemäischen Periode Entsprechungen.
Der Verfasser selbst fingiert die Zeit des Philadelphos: das ist nähmlich 285 – 247 v. Chr.

Inhalt
Der Autor berichtet Гјber eine Gesandschaft an den Hohenpriester Eleazar in Jerusalem.
Als Selbsteinschätzung des Werkes behauptet der „Pseud-Aristeas“, er habe versucht, alles „genau darzulegen“.
Dem König wurde vorgeschlagen, die alexandrinische Bibliothek auch mit den jüdischen Gesetzen auszustatten, die allerdings zuvor übersetzt werden müssten.

Die alexandrinische Bibliothek war weitaus die hervorragendste Leistung auf dem Gebiete des Antiken, ja vielleicht des gesamten Bibliothekenwesen. Diese h megalh biblioqhkh des Museums war in dem neugebauten Alexandrien eine Gründung der ersten Ptolemaer. Den Plan zur Gründung der Bibliothek fasste vielleicht schon Ptolemaios Lagi (323 – 284 v. Chr.). Es wird auch Ptolemaios II Philadelphos mehrfach als Schöpfer der Bibliothek genannt. Aristeasbrief u.a. (z.B. Josephus) lassen die Zahl der zusammengebrachten Rollen auf mehr als 200 000 angeben mit dem Zusatz, dass Ptolemaios II Philadelphos sie in kurzem auf 500 000 zu bringen hoffe.

Den Brief des Königs und dazu kostbare, ausführlich beschriebene Geschenke überbringt dem Hohenpriester nach Jerusalem eine Delegation, zu der auch Aristeas gehört. Auf den Brief des Königs schrieb Eleazar postwendend zurück, wo man unter anderem folgende Worte lies: „...in allem, was dir nützt, gehorchen wir, auch wenn es uns hart ankomt.“ B.H. Stricker versucht dieser Stelle zu entnehmen, dass die Übersetzung des Pentateuchs Teil eines kulturpolitischen Programms des Philadelphos war und gegen den Willen der Juden durchgeführt wurde.
„Pseud-Aristeas“ schildert seine Reiseeindrücke: sowohl die Stadt Jerusalem mit dem Tempel und dem Diest in ihm, als auch ganz Judäa sind von ihm ziehmlich ausführlich dargestellt. Der Text der Gesätze und 72 Übersetzern (aus jedem Stamm 6) kehren die Gesandten wieder nach Alexandria zurück. Alle jüdische Stämme sind numeriert, nicht nach seinen Namen genannt. Darüber ist wie folgt vom Autor geschrieben: „Er (der Hohenpriester) wählte nähmlich ausgezeichnete Männer aus, die, weil vornehmer Abkunft, auch eine hervorragende Bildung besassen und nicht nur die jüdische Sprache beherrschten, sondern auch eifrig die griechische studiert hatten. Deswegen waren sie auch für Gesandtschaften gut geeignet und erfüllten, wenn nötig, diese Aufgabe; auch waren sie zu Gesprächen und Diskussionen über das Gesetz sehr  begabt...“
In Alexandria werden sie von Philadelphos herzlich empfangen: „Da (der König) sogleich mit den Abgesandten zusammentreffen wollte, liess er alle übrigen Beamten fortschicken und die Männer rufen. Dies erschien allen ausserordentlich, weil gewöhnlich diejenigen, die in Staatsgeschäften kommen, (erst) am 5. Tag vor den König treten (dürfen), während die (gesandten) von Königen oder angesehenen Städten frühestens nach 30 Tagen bei Hof vorgelassen werden. Weil er aber die (jetzt) Angekommenen grösserer Ehre würdigte und den Rang dessen, der sie schickte, höher einschätzte, hatte er alle, deren Anwesenheit er für überflüssig hielt, entlassen und wartete auf und ab gehend darauf, sie bei ihrem Eintreffen zu begrüssen. Diese kamen mit den übersandten Geschenken und den verschiedenen Pergamenten, auf denen das Gesetz geschrieben stand. Es war aber mit goldener Schrift in jüdischen Buchstaben geschrieben; das Pergament war wunderbar gearbeitet, und die Verbindung zwischen den einzelnen Pergamenten konnte man nicht erkennen.“
An den folgenden 7 Tagen veranstaltet der König für seine jüdische Gäste ein Festmahl, wo er jedem von den 72 Übersetzern eine Frage über Gott, über König, über jüdische Weltanschauung u.ä. stellt. Erst dann wird die Übersetzung in Angriff genommen. Die Übersetzer werden auf der Insel Pharos einquartiert und vollenden das Werk in 72 Tagen. Die fertige Übersetzung wird der jüdischen Gemeinde von Alexandria vorgelehsen und von deren Vorstehern sanktioniert. Mit Geschenken verabschiedet sich der König von den Übersetzern, und der Autor beendet seine Erzählung mit der Ankündigung weiterer Werke, die bis jetzt nicht bekannt sind.

Zu den inhaltlichen Fragen des Textabschnittes 134-139

 GГ¶tzenpolemik im Aristeasbrief (134 – 139).
Während seines Aufenthltes in Jerusalem hat Aristeas Gelegenheit, den Hohenpriester nach einigen jüdischen Gesetzen zu befragen, und jener erläutert ihm deren tiefen Sinn. Zu diesem Textabschnitt, wo der Hohenpriester mit der heidnischen Delegation über jüdische Heilige Schrift spricht, gehört auch seine Rede über heidnische Götzenverehrung – das ist nähmlich unser Textabschnitt.

Besonderheit des behandelnen Textes (im Vergleich mit den früher betrachteten Texten im Seminar) liegt unter anderem darin, dass die eigentliche Rede über Sinnlösigkeit der Anbetung vor den Idolen an den Heiden, nicht an den Jüden, wie in schon früher betrachteten Texten zu sehen war, gesprochen ist.

Die Beobachtungen zu einzelnen Zeilen des Textabschnittes 134-139:

  • Die Stelle hat die Paralle in Ps 115:4, Jes 44:10, 15,17 und

Jer 10:3,8.
Die Jüden unterscheideten sich von “allen übrigen Menschen“ in ihren Religion ganz radikal: das war das einzige Volk seiner Zeit, welches erstens, monotheistisch (= sie hatten keinen Pantheon der zahlreichen Gottheiten wie übrige Völker) und zweitens, keinen Abbild von ihrer Gottheit zur Anbetung hatten. Das machte die Jüden erstaunlich sonderbar von den Religionen des Alten Orientas, ja der ganzen Welt insgesamt.

  • Hier und in der folgenden Zeilr finden wir die Verspottung

               der Götzenfabrikation.

Bildlose Gottesverehrung fndet sich auf primitiver Kulturstufe auch in anderen Religionen. Speziell die alten Araber, die sich inmanchen religiösen Anschauungen und Sitten mit den alten Israeliten berühren, scheinen keine Gottesbilder gekannt zu haben, ausser wo sie mit der nordsemitischen Kultur in Berührung kamen.

136           Die Götzenanhänger, seine Verehrer müssen schon darum zuschanden werden, weil seine Verfertiger blosse Menschen sind, und Menschen können doch nicht Göttliches, Gottmächtiges hervorbringen.
Die materiellen, ohnmächtigen Götzen stehen hier als Kontrastbild zum Gott der Jüden.
Jes 44:18 kommt hier als die Parallelstelle.

  • So sehen wir hier den hГ¶chst undiplomatisch redenden

Hohenpriester. Ich hätte diese Hohenpriestersrede unter den Zweifel stellen: einerseits beschreibt der Autor ein internationalles Treffen im Auftrag des Höchsten beider Länder und andererseits sehen wir zu der Situation total unpassende Formulierungen.
Jer 10:8 – Parallelstelle.

  • Einige VГ¶lker verehrten die Gottheiten im Gestalt

der Tieren. Einige von diesen Tieren waren für die Israeliten sogar unrein. Deswegen Wesen, die sogar dem gewöhnlichen Speisegebrauch als Greuel verwehrt sind, wird hier Gegenstand frommer Ehrung. Darin besteht ein der tiefsten Unterschiede zwischen dem Gott Israels und den Gottheiten der anderen Völker. In diesem Sinn wird die Verherung eines Bildes mit dem Bundesbruch dreimalig gleichgesetzt: laut der Thora konnten die Jüden1) keinen Bild zur Anbetug machen, 2) sie konntn vor keinem Idol die Knie beugen und 3) sie sollten mit den unreinen Tieren nichts zu tun haben.

Wer ist unter „ähnlichen (Völker)“ gemeint ist unklar, weil alle Religionen des Alten Orients (ausser der Ägypter) ihre Gottheiten im menschlichen Gestalt hatten. Nur auf einigen phönizischen Münzen ist vermutlich eine der Gottheiten mit dem Fischschwanz zu sehen.

In der Г¤gyptischen Religion:
Meisten Götter waren als Menschen mit Tierkopf abgebildet. Daneben kommen auch Darstellungen in reiner Tiergestalt vor.
Der Stier symbolisierte Stärke und Zeugungskraft, der Löwe das Wilde und Unbekannte, der fliegende Falke ist der Himmel, die Kuh – die gebärende Muttergöttin usw. Viele Zusammenhänge bleiben unserem Danken allerdings unerklärlich. Beachtenswert ist, dass geographische Verhältnisse gelegentlich mitgewirkt haben. Krokodilgötter werden am Nil verehrt, Löwengötter an Orten, wo Täler in die Wüste münden.
Hier sind einige Beispiele:
Seth – seit ältester Zeit wird er in der Gestalt eines Tieres dargestellt, dessen zoologische Art man nicht hat bestimmen können. Entweder handelt es sich um ein Fabelwesen, oder die ursprüngliche Tierart ist so stilisiert, dass sie sich jeder Identifizierung entzieht. In späterer Zeit tritt er auch als Esel auf. Sein Charakter lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Er steht allgemein mit Sturm und Unwetter in Verbindung. Andererseits ist Seth der Gott der Wüste und Herr der Katastrophen.
Thoth – tritt in der Gestalt eines Ibisvogels und als Pavian auf. Er gilt als der weise Gott, der Schreibkunst und Wissenschaften beschützt.

Zur der Verehrung der Toten: der tote König, in späterer Zeit jeder Mensch, wird nach dem Tode mit Osiris identifiziert und erhält in dieser Eigenschaft neues Leben. Folglich: beim Verehren Osiris wird auch die gestorbenen Menschen verehrt.
Mumien der Vögel, die vielleicht bei den Ägypter verehrt waren, findet man zahlreich in den Pyramiden.
Vielleicht ist es ein der Beispielen, die der Redende im Textabschnitt meint.

Jes 46:1; Ez 8:10 handeln sich wiederum um denselben.

  • Hier ist theologische Opposition der GГ¶tzen und Gott Israels zu sehen.

Gott Israels ist ein Gott von ganz anderer Art als die Götter der übrigen Völker.

Die Sinnlösigkeit der Verehrung der Idolen wird dadurch gezeigt, dass:

  • sie menschliche Werk

oder

  • einfach Tiere sind.

Die Rede des Hohenpriesters hat sein Anliegen nicht die Apologie jГјdischer Sitten, sondern die Deutung der Gebote als Mahnung zur Gerechtigkeit und Warnung vor Machtmissbrauch.
Insgesamt ist der ganze Text biblisch fundierte Aussagen.


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