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Das Thema des GlГјcks bei Augustin

          „Wer also Gott hat, ist glücklich“

Einleitung - Das Verständnis des Glücks bei Augustin und Thomas von Aquin

Das Verständnis des Glücks nach Augustin

Das Verständnis des Glücks nach Thomas von Aquin

Das GlГјcksthema bei Augustin und Thomas von Aquin

 

In „De beata vita“ fängt Augustin mit einer verwickelten Vorrede an, die eigentlich die Begrüssung des Adressaten darstellt. Zwar ist sie nur eine Form der Höflichkeit, und doch beginnt Augustin schon hier das zentrale Thema des Glücks zu entfalten. Er schreibt z.B., er nehme an, dass Theodorus, an den er diese Schrift schickt, schon zum Glück erlangt habe. Es ist wohl zweideutig zu verstehen: erstens, Theodorus hat einen Teil an Glück darin gefunden, dass ihm Augustin seine Liebe zusichert, wovon in diesem Abschnitt eigentlich die Rede ist [1(5)]. Obwohl Augustin hier die Liebe nicht als sozusagen Endstation des Glücks aufzeigt, sondern die Reise zu ihm, denn er schreibt in demselben Paragrafen, dass er „mit wenig Mühe, ja mit Leichtigkeit zum Glück selbst gelangen“ [1(5)], wenn er von Theodorus auch geliebt würde; zweitens kann man auch vermuten, dass er mit dieser Ausdrucksweise das Christentum seines Adressaten meint, denn weiter hinten sehen wir, dass Augustin doch das Glück auf das Leben mit Gott zurückführt.

Die ortodoxe Ikone von Heiligem Augustin, XX Jh

Die ortodoxe Ikone von Heiligem Augustin, XX Jh

Wozu beschäftigt sich Augustin überhaupt mit diesem kompliziertenThema? Ist sein Ziel nicht die rechte Antwort zu finden, sondern einfach die Frage des Glücks in den Mittelpunkt seiner Überlegungen zu stellen, wenn er sagt , dass er „nicht nur unserem Körper, sondern auch unserer Seele ein etwas köstlicheres Frühstück anbieten sollte“ [2(9)]?

Von Anfang des ganzen Dialogs an ordnet Augustin das Thema bzw. Gespräch über das Glück in die Reihe der Themen, die Speise für die Seele sind. So sehen wir, dass Augustin die Existenz der menschlichen Seele gar nicht in Frage stellt, was man keinen rein antik-philosophischer Zugang nennen kann: manche Philosophen zweifelten an Existenz der Seele. Hier aber sieht Augustin es als feste Tatsache, die man einfach nicht zu besprechen braucht, sondern „Alle bejahten“ sie [2(7)]. Ohne irgendwelche Diskussion über die Frage: „Gibt es sie oder gibt es sie nicht?“ spricht Augustin mit seinen Gesprächspartnern über die unsichtbaren Elementen des Menschen und behauptet: Glück ruht im Geist [4(25)] - und Schluss mit den Gegenargumenten.

Es scheint so zu sein, dass der eigentliche Verlauf des ganzen Gesprächs vorher von Augustin überlegt worden war. Mit dem neugierig machenden Vorwurf beginnt er seine Abhandlung über das Glück: „Wir alle wollen glücklich sein!“ [2(10)] Sofort bietet er die Erläuterung seines Verständnisses des Glücks an, die zum ersten Blick ganz sinvoll erscheint: Glück ist da gegeben, wo ein Wunsch verwirklicht werden kann. Und er eilt die Aussage zu bewerten: „Das ist freilich falsch. Denn Unerlaubtes zu begehren, ist selbst schon grösstes Unglück.“ [2(10)] Und mit diesem Satzt eröffnet Augustin den grössten Teil des Gespräches über das schwere philosophische Thema der Extreme, die er mit den Überlegungen in Bezug auf Glück verbindet. Er bezeichnet Glück selbst ziemlich deutlich als eins der Extremen, indem er davon spricht, dass „zwischen Unglück und Glück wie zwischen Leben und Tod kein Mittleres zu finden ist.“ [4(24)] Was Augustin auch im Dialog akzentuiert, ist der Begriff „jeder“. Er macht dadurch eine jede seiner Fragen an den Gesprächspartner viel tiefer und komplizierter, indem er dieses Wort hineinverwickelt: Ist jeder unglücklich, der nicht glücklich ist? Mit einem solchen Zweierlei spielt er auch weiter, wenn er z.B. fragt, besser sei: Gott haben oder ohne Gott leben? [2(21)] Ist jeder, der nicht unglücklich ist, ist glücklich? [4(23)]

Augustin führt das Gespräch in Eigeninitiative und bringt seine Gesprächspartner zum Einverständnis, dass das Glücklichsein zwar wirklich sozusagen „ein Besitz von etwas“ bedeutet, aber der Erwerb nur dann wirklich glücklich macht, wenn ihn „kein Schicksalssturm...rauben kann“ [2(11)]. Aus diesem Gedanken schliesst Augustin eine logische Folgerung: „Wer also Gott hat, ist glücklich.“, denn Gott ist „ewig und von zeitloser Dauer“. [2(10)] So folgt er schon fast am Anfang der ganzen Erforschung seiner Frage von dem Autor selbst die Antwort. Jetzt setzt er alle seine Kräfte daran, das Rätsel zu lösen: Wer hat denn Gott?, um daraufhin ein konkretes Bild darüber zu entwerfen, welche Eigenschaften ein Glücklicher denn besitze. Von seinen Diskussionsfreunden bekommt er drei Hauptcharakteristiken gesagt: „...Gott habe, wer Gottes Willen tue;.. der ein gutes Leben führe,..in denen kein...unreiner Geist sei.“ [3(17)] Es übrigt sich natürlich hier darauf hinzuweisen, dass jede dieser Eigenschaften ein grosses christlich-philosophisches Thema ist. Wie wird denn jetzt Augustin, der dieses Gespräch initiierte, jedes der genannten Themen den Gesprächsteilnehmern klar definieren? Er geht einfach nicht auf das einzelne Thema ein. Er klärt nur, ob kein Begriffsproblem entstanden ist, also ob alle mit diesen Worten dasselbe meinen und fährt mit seinen Gedanken fort. Aber wie!?! Er steigt in ein neues Thema ein, welches nicht weniger kompliziert als das obengenannte ist: er erinnert jetzt an einige Elemente der Prädestinationslehre: Wer kann Gott finden: Der, der Ihn sucht, oder der, den Gott Selbst sucht? und er stellt die Frage, ob der Mensch überhaupt Gott suchen kann, wenn ihn nicht Gott Selbst sucht?

Nicht nur einmal ruft Augustin mit Freuden „Ausgezeichnet!“, wenn er das zu Hören bekommt, was er hören wollte; und wenn er es jedoch nicht hört, dann führt er die anderen doch zu der rechten Einsicht, so dass er mit ihren Antworten zufrieden sein kann. So sagt schliesslich Augustin selbst: „Fast alles, was ich auf meine Fragen von euch bestätigt haben wollte, habe ich zur Antwort bekommen“ [4(23)] . Auch ähnelt das ganze Gespräch einer christlichen Evangelisation, abgesehen von dem philosophischen Suchen nach Wahrheit.

Ab Paragraf [3(22)] macht das Gespräch eine neue Kurve und kehrt zum Anfang der Sitzung zurück, wo die Rede vom Begehren war: nach dem, was einer wünscht und nicht hat. Jetzt kommt er aber mit einer negativen Formulierung: es wird besprochen, ob „Unglück nichts anderes als Mangel ist.“

Steht das Glück mit der menschlichen Aktivität im Zusammenhang? Diese Frage entsteht, wenn man bei Augustin liest, dass das Unglück Mangel sei, und Mangel kann vermieden werden. An der Stelle führt Augustin alle Gedanken zum Gottes Willen: der Mensch, der seine Wünsche bzw. seinen Willen mit dem Göttlichen Willen zu Vereinigen vermag, bekommt letzten Endes das, was er zu seinem Glück wünscht: „Sein (eines Menschen) Wille richtet sich nähmlich auf ganz sichere Ziele, das aber heisst, dass er bei allem nur tut, was die Tugend verlangt und das göttliche Gesetz der Weisheit ihm rät. Und beides kann ihm nie und nimmer entrissen werden.“ 4 [(25)]

Man muss auch bemercken, dass bei seiner Überlegungen benutzt Augustin die Methode der Logik. Er benutzt sie so kunstvoll, dass niemand unter den Anwesenden ihm zu widersprechen vermag. Im Laufe des Gesprächs wird von Augustin versucht, Mangel und Unglück zu trennen, und er kommt letzten Endes zur Schlussfolgerung: „Aller Mangel ist Unglück und alles Unglück Mangel.“ [4(28)] Weiterhin definiert Augustin den Mangel des Geistes mit Torheit. Und „wenn Mangel gleichbedeutend mit Torheit ist, dann wird Fülle gleich Weisheit sein.“ [4(31)] Er bemüht sich auch, wenn das Gespräch eine neue Wendung nimmt, rechtzeitig neue Begriffe zu deuten. So wird von ihm an dieser Stelle sofort „Fülle“ als „kein Mehr und ein Weniger“ und „Weisheit“ als „das Mass des Geistes“ bestimmt. [4(32)] So kommt Augustin am Ende des Dialogs als logische Schlussfolgerung zu der Formel: „Glücklich sein ist daher nichts anderes als keinen Mangel leiden, und das heisst weise sein“. [4(33)]

Erst am Ende des ganzen Dialogs formuliert Augustin, was der Mensch sich selbst unter Glück vorstellt, vielleicht um die Differenz zwischen dieser Vorstellung und der Schlussfolgerung, zu der sie in seinem Gespräch gelangt sind, aufzuzeigen. Also, nach menschlicher Vorstellung wäre der, der sich Lust und Macht verschaffen kann [4(33)], schon glücklich.

Die generelle Lösung zu dieser Problemstellung führt Augustin folgendermassen aus: „Wer daher durch die Wahrheit zum höchsten Mass gelangt ist, ist glücklich“, und dabei weist er ganz deutlich darauf hin, was oder genauer wer der sei?, der die Wahrheit ist, und ohne den Namen zu nennen - ist es jedem klar, wen er meint, denn Augustin appelliert hier an ein Wort der Schrift: „Denn es steht ja geschrieben: <<Ich bin die Wahrheit>>“ [4(34)]. So führt Augustin am Ende des Gesprächs zu der Erkenntnis, dass Glück allein bei Christus zu finden ist.

Ich denke nämlich, dass der Gedankenverlauf bei Augustin einigermassen einen demagogischen Charakter in sich trägt, denn im Grunde genommen erlangen alle Beweise Augustins nur die Zustimmung der Gesprächspartner. Wenn also alle ihm in jeder seiner Fragen zustimmen, hält er die Sache für erledigt. Es fehlt mir persönlich in diesem seinem Dialog ein wesentlicher Punkt, aufgrund dessen wirklich die Wahrheit bestimmt werden könnte, so dass eine subjektive menschliche Zustimmung oder Verneinung schon wirklich als eine subjektive Meinung und zwar nur in diesem Kreis der Diskutierten galt. Nur ein paarmal spricht Augustin: “denn es steht geschrieben...“ [4(34)], ansonsten baut er seine Überlegungen auf eine subjektive ephemere Basis.

Lehrmeinungen:
„Dass der Christ Augustin seine Methapher antik-philosophischem Denken und nicht der Gleichniswelt des Neuen Testamentes entlehnt...ist bedeutungsvoller, als es auf den ersten Blick scheinen mag.“

„Nicht die Evidenz irgendeiner kontingenten Wahrheit, die mit anderen Wahrheiten zusammen etwa von Kontext einer Theorie bildet, ist Grund glücklichen Lebens, sondern die absolute Wahrheit, veritas ipsa.“

„...die Inkarnation Christi...(ist) allein... der Grund und die Ermöglichung, nach dem wahren glücklichen Leben überhaupt zu suchen...“   

 „Ein Argument Augustins...lautet so: Die Seele hat ihr eigenes Sein aus dem Sein im ersten und höchsten Sinne...als reine essentia oder substantia ist dieses Sein auch Wahrheit und Weisheit schlechthin...Grundlage von Augustins Argumentation ist also die Einheit von Sein und Wahr-Sein...“

„Wenn die Seele von diesem (höchsten und uranfänglichen) Sein ihre Eigenschaft ´zu sein` hat... gibt es nichts, wodurch sie dies verlöre, da nichts zu dem Wesen ein Gegensatz ist, von dem sie ihre Eigenschaft hat...“

„Die Analyse der Modi, in denen der Mensch im Sinne Augustins zum glücklichen Leben gelangt und es vielleicht auch behält, explizieren allesamt den Gedanken: von seinem Grund her ist glückliches Leben eine Form höchster geistiger und emotionaler Intensität...“


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