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Das Abendmahl im römischen Messkanon

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"Eucharestie ist Konsekration des Brotes und des Weines in Leib und Blut Christi."В  (Wegman A.J., Hermann: Geschichte der Liturgie.
S. 261) Dieser Prozess ist ein dauernder Prozess. Zeitlich ist diese Konsekration gleich der Liturgiegeschichte der Kirche. Es ist auch ein lebendiger, wechselnder oder genauer zu sagen wachsender Prozess, auch wie die Geschichte der Kirche. Und dieser Prozess ist in einem bestimmten, „gerinnenden“ Zeitpunkt des XVI. Jahrhunderts auf Grund einer der historischen Quelle dieser Zeit zu betrachten – mit seiner Geschichte und Perspektive – sind das Hauptziel der gegebenen Arbeit.

Das von mir ausgewählte Thema hat als Quelle den römischen Messkanon, der im Concilium Tridentinum angenommen worden ist. Dieser Konzil fand nach der Mitte des 16. Jhs., 1562 statt. Neben dem Humanismus war das Konzil als antiprotestantische Reaktion zu verstehen. Das Konzil hatte unter anderem be­schlossen, die Reform des Messkanons zu behandeln. Im Sinn dieses Konzils setzte Pius IV (der Papst der damaligen Zeit) 1564 eine Kommission, zur Revision des Messkanons ein. Das Ergebnis war das Missale Rornanum ex decreto. Innerhalb von 6 Monaten sollten es alle Kirchen übernehmen, die nicht einen wenigsten 200 Jahre alten Eigenritus hatten. Ab dem 13. Jh. wurde schon diese Römische Messe eigentlich überall ausser im Osten durchgesetzt.

Der Messekanon

Zum 1. Mal taucht der Messkanon bei Ambrosius (IV. Jh.) auf; er zitiert in De sacramentis einen Text des Mittelteils, der als ursprГјnglich angesehen werden darf.
Weiterhin findet man den Messkanon bei Gregor dem Grossen (Ende des 6. Jhs., der der Bischof und Papst in Rom war, im sogenannten „Gregorianischem Sakramentar“. 785 (oder 786) erbittet sich dann Karl der Grosse von dem damaligen römischen Papst den Text des „Gregorianischen Sakramentars“. 

Die latainische Sprache ist die Originalsprache des römischen Messkanons. Vom latainischen Text stammen auch die Namen einzelnen Stücke aus diesem Kanon. Der Text scheint gar nicht von einem griechischen Original zu stammen, da die Sprache von der typisch christlichen Latinität geprägt ist. Der Stil ist zwar zweifellos von der Bibel beeinflusst, weist aber in der Majestät des Rhythmus und im Wortschatz Merkmale der römischen Rede auf.

Die Hypothesen Гјber den Verfasser des Kanons sind sehr umstritten, weisen aber im allgemeinen in die Zeit des Papstes Damasus (366-384).

Die wichtigsten Dokumente zur der Eucharestielehre des kirchlichen Lehramtes seien hier auch genannt:
Die Römische Synode von 1079; das Glaubensbekenntnis Innozenz die Waldenser; das IV. Laterankonzil; das Glaubensbekenntnis des Michael Palaiologos; das Konzil von Konstanz; dasKonzil von Florenz, das Decretum pro Armenis; das Tridentinum, sess. XIII über die Reaipräsenz; sess. XXI über die Kommunionpraxis sub una specie; sess. XXII mit Messopferdekret; Professio fidei Trident; Enz. Mediator Dci und Humani gerteris Pius XII.

Der Begriff

Das Missale ist seinem ursprünglichen Sinn das liturgische Buch für den zelebrierenden Priester, das die veränderlichlen und die unveränderlichen Teile, d. h. die gesamten Texte der Gebete, Lesungen und Gesänge für die Messfeier enthält. Es entstand aus der Vereinigung verschiedener einzelner Liturgischer Bücher. Der Name leitet sich vom Begriff missa her; er wurde seit dem 8. Jh. gelegentlich auch für das Sakramentar gebraucht. im Frühmittelalter war „Misa“ zum Titel für den Gottesdienst geworden. Von diesem latainischen Wort stammt das gegenwärtige Wort „Messe“.

Die Bibliographie

Das Гјberwiegende Interesse haben die katholischen Theologen, weil die katholische Kirche bis heute die im Kanon beschriebene Abendmahlsanordnung verwendet.
Die BГјcher, die schon zum Thema geschrieben sind, betrachten den Abendmahlsgottesdienst im Grunde genommen nicht als das Hauptthema, sondern im Zusammenhang mitВ  allen katholischen Gottesdiensten, mit anderen Quellen, mit der ganzen Geschichte der Liturgie oder Гјberhaupt in der Reihe der Konzils.

Die Aktualität

Der Eucharestiefeier im römischen Messkanon ist wirklich "das geistige Erbe vergangener Jahrhunderte", (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia. S. 2.)."Christus Selber hat nur den Wesenskern der Feier gegeben. Das Gehäuse musste von Menschen geschaffen werden. Die Kirche hat es geschaffen in langsam fortschreitender Arbeit, im Gang der Jahrhunderte." (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia. S. 2.)
Für die evangelischen Kirchengeschichtler ist dieses Thema offensichtlich nicht so aktuell wie für ihre katholischen Kollegen, denn in ihrer Gottesdiensten ist das, was für andere Konfessionen nur die historische Quelle ist, tatsächlich lebendiges und alltägliches Heute.

Das Abendmahl laut dem römischen Messkanon: Anordnung und Inhalt

 вЂћNicht das Alter als solches macht liturgische GebrГ¤uche kostbar, sondern ihre InhaltsfГјlle und Ausdruckskraft." ist die Meinung von Josef A. Jungmann (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia. S. 6.). Das ist absulut gerecht hinsichtlich des rГ¶mischen Messkanons: er hat nicht nur eine grosse und lange Geschichte, in ihm sind "die Baugedanken vieler Generationen" (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia. S.2.) in einen wircklich Grossen Inhalt hineingebaut.В 

Die Feier des Abendmahls hat 2 Teile: den Wortgottesdienst und das Abendmahl. Der Wortgottesdienst ist nicht dem Abendmahl vorbehalten, sondern er kann auch verbunden werden mit dem Morgen- oder Abendgottesdienst (Sonntags). Ein Abendmahl ohne Wortgottesdienst ist nicht möglich.

Die Hauptmomente der Abendmahlsliturgie im Messkanon sind folgende:

Der Kanon beginnt sich mit dem Eucharisrischen Gebet. Der alte ursprГјngliche Messkanon begann aber mit dem FГјrbitten (das algemeine Gebet).

Dann kommt Offertorium  / Gabenbereitung — Dankgebet über die Dankelemente. Die Gabenbereitung ist eine Analogie zum Opfersbringen auf den Altar. Sie beginnt mit der Händewäschung und der Einladung zum Gebet.
Die wichtigsten Bestandteile der Gabenbereitung sind:

1) Dialog. Der feierliche Dialog  eröffnet den eucharistischen Kanon, den einzigen, der schon zu Beginn des 3.Jhs., nähmlich von Hippolyt, wörtlich bezeugt ist:
Dominus vobiscum.
Et cum spiritu tuo.
Sursum corda.
Habemus ad Dominum.
Gratias agamus Domino. (im Messkanon hier noch
Deo nostro = unserem Gott
gefГјgt)
Dignum et iustum est.
(Handbuch der Liturgiewissenschaft. 2 Bd. S. 409.)

Ein Doppeltes ist hier zu beachten: indem sich der Bischof mit diesen Worten an das Volk wendet, beginnt er die Danksagung (gratias agens), zu der der Dialog gehört; ferner: alle sollen antworten (omnes dicant); denn durch die Antwort nehmen alle an der Danksagung teil.
In der byzantinischen Liturgie beginnt der Diakon mit der Aufforde­rung: „Stehen wir aufrecht, stehen wir ehrfürchtig, seien wir aufmerk­sam, um in Frieden das heilige Opfer darzubringen!“ Dann kehrt er in das Presbyterium zurück. Der Zelebrant wendet sich zu den Gläubigen und segnet sie mit den Worten: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Gei­stes sei mit euch allen.“ Diese paulinische Doxologie (2 Kor 13, 13) er­setzt im allgemeinen im Orient und auch in Toledo den einfachen Gruss Dominus vobiscum, der an dieser Stelle in Rom und in Ägypten ver­wendet wird.
Die Chaldäer sagen: „Empor die Geister“; die heutigen Westsyrer ent­falten die Formel: „... unsern Verstand, unsere Gedanken und unsere Herzen“; die Armenier fügen hinzu: „mit Gottesfurcht“.
Die Byzantiner sagen einfach wie bei Hippolyt: “Danken wir den Herrn“. (Handbuch der Liturgiewissenschaft. 2 Bd. S. 410.) Im Messkanon wird hier, wie es schon oben gezeigt worden ist, „unserem Gott“ gefügt. 

2) Praefatio / Dankgebet. Nach dem Dialog zwischen dem Priester und der Gemeinde folgt Einladung zum Danken und das Dankgebet. Unter den Gebeten des Abendmahlsgottesdienstes gibt es die FГјrbitte fГјr Lebende und Verstorbene.
Das Dankgebet schliesst sich mit dem

3) Sanctus – der liturgischen Akklamation zum Lobpreis Got­tes.

Nach Offertorium folgen:

Einsetzungsberichte.
Vom Offertorium bis zur Kommunion bildet das eucharistische
Gebet und das eucharistische Geschehen eine vollkommene Einheit, ein geschlossenes Ganzes. Tatsächlich, ist der Einsetzungsbericht
allen Anaphoren grammatisch mit dem Vorhergehenden verbunden.
Die vier biblischen und die mehr als achtzig liturgischen Einsetzungs­berichte weisen mehr oder minder wichtige Varianten auf, die beweisen, dass man sich immer und überall um überlieferungsgemässe Treue, aber nicht um wörtliche Gleichförmigkeit bemüht hat. Die von verschiedenen Kirchen hinzugefügten Einzelheiten sind keineswegs zu übersehen, wie die Erwähnung: „er mischte Wein mit Wasser“, oder die Variante: „Tut dies zu Meinem Gedächtnis, sooft ihr euch versammeln werdet.“
Die im liturgischen Vollzug gebrauchten Einsetzungsberichte zeigen auch in ihrer literarisch fassbaren For­mulierung gegenüber den biblischen Einsetzungsberichte zunächst eine weitgehende Selbständigkeit.

Kommunion.
Das Tridentinum definierte gegen die Reforniatoren auf sei­ner 13. Sitzung die Wirklichkeit, Totalität, Per­manenz und Anbetungswürdigkeit der Gegenwart des Leibes und Blutes Jesu, auf der 21. Sitzung die Berechtigung der Kommunionpraxis unter einer Gestalt, auf der 22. die Messe als wirkliches und eigentliches Opfer. Die Frömmigkeit richtete sich vorzugsweise auf die An­betung des leibhaftig gegenwärtigen Christus, auch ausserhalb der Messe. Die Theologie bildete die 7 Messopfertheorien aus. Zur Sicherung des Opfercharakters der Messe übertrug man den allgemeinen, aus Religionsgeschichte und Altes Testament abgelesenen, als Ver­nichtung der Opfergabe bestimmten Opferbegriff auf die Messe und suchte in ihr eine reale Destruk­tion bzw. Schlachtung nachzuweisen (sogenannte Destruk­tionstheorie). Um die letzte Jhahrhundertswende blühten die auf ein himmlisches Opfer Jesu rekurrierenden Oblationstheorien. Einen entscheidenden Fort­schritt brachte die Besinnung auf den sakramen­talenCharakter auch des Opfergeschehens. Es wird er­blickt in der Eucharestie die reale Gegenwart Christi und Seines Heilswerkes unter dem Schleier der Sym­bole. Seine Mysterientheologie blieb zwar im einzelnen nicht ohne Widerspruch und erfuhr man­nigfaltige Modifikationen, ihr Grundgedanke aber billigte Iiturgische Erneuerung, nämlich die sakramentale Vergegenwärtigung des einmali­gen Heilshandelns Jesu.

Oblation

- Der Opfercharakter der Messe wird nur beiläufig, aber wie selbstverständ­lich erwähnt.
Die liturgische Gestaltung des eucharistischen Inlkarnationsmotivs ist die Epilklese. „Schenke, oh Gott, diesen Gaben Segen..“ ist die Bitte um Segen, damit die Gaben zum Leib und Blut verwandeln würden. Als Opfer werden Brot und Wein, die sich in Leib und Blut verwandeln, verstanden. Die Auffassung, die Gegenwart des Leibes Jesu sei die Anamnese der Inkarnation.
Die sakramentale Materie, Wei­zenbrot undRebenwein, wird nämlich vom geweihten Priester, indem er in der Person Christi die Einsetzungs­worte Jesu als Konsekrationsform spricht, in die Substanz des Leibes und Blutes Christi gewandelt, wobei die Substanz der Elemente aufhört und nur die Gestalten bleiben.
Christus Selbst ist Opferpriester und Opfergabe, die Darbrin­gung geschieht aber auf unblutige Weise. Die Messe ist nicht nur Lob-, Dank- und blosses Ge­dädhtnisopfer, sondern auch Sühnopfer für Lebende und Verstorbene und wird geziemenderweise auch zu Ehren der Heiligen dargebracht. Die spezifische Weise der römischen Messe, auch die zu Ehren der Heiligen und die private, ist legitimer Vollzug. Christus Selbst bleibt in der Messe dieselbe Opfergabe und derselbe jetzt durch den Priester handelnde Opferpriester wie am Kreuz. Die Gleichheit auch der Opferhandlung jetzt und einst wird hier impliziert, auch ausdrücklich gelehrt, da Christus auch jetzt geopfert wird, allerdings auf andere, nähmlich unblutige Weise.

Die Gaben werden im Messkanon geheiligt und makellos nicht durch Wandlung verstanden, sondern weil sie die Einsetzung Jesu entsprechen. Die Gaben von Brot und Wein und das Lobgebet, beides hier noch miteinander verbunden und parallel, sollen durch die Transsubstantiation, zur Einheit zusammengefügt werden, wenn die Kirche von neuem getan hat, was einst der Herr tat. Darum wird vom Himmlischen Vater erbeten, dass die mate­rielle Gabe ihre volle „geistliche“ Prägung erhalte — das ist zweifellos der Sinn von rationabilis, auf  griechisch logikoz. Die Ordnung ist gut durchdacht und feinsinnig formuliert: mit den Worten „Seht das Lamm Gottes, Das hinwegnimmt die Sünde der Welt“ wird tatsächlich das Abendmahlsgeschehen vergegenwärtigt.

"Man hat das Messopfer als das Zentralkunstwerk der christlichen Kultur bezeichnet." (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia: S. 4.)

Schlussgebet
Zusammen mit dem Schluss-Amenwirdbezeugt, dass sich die ganze Gemeinde an dem Hocbgebet der Eucharistie beteiligt.

Da der 1. Quellenbeleg bezüglich des Messkanons Ambrosius ist, der bezeugt ferner die Existenz eines Lobgebetes und einer Fürbitte, die wahrscheinlich der Präfation und dem Te igitur entsprechen, lohnt sich zum Schluss des 1. Kapitels kurz einen Blick auf die Phasen der Entwicklung des Eucharestiefeier aus der frühersten Quellen bis zu Ambrosius zu werfen:

В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В 

 

Didache
2. Jh.

 

Justin
2. Jh.

 

Irenäus von Lyon
2. Jh.

 

Augustin
354-430 u.Z.

AmbrosiusВ В В  IV. Jh.

 

Missale
Romanum
16. Jh.

 

Gabenbereitung

 

 

 

 

 

+

 

 

Einsetzungsbericht

 

 

?

 

 

 

 

+

 

Gebete und Bitten

 

+

 

+

 

+

 

 

+

 

Lesung aus Evangelien

 

 

+

 

 

 

+

 

Ansprache = Art der Predigt

 

 

+

 

 

 

 

-

 

Reinheit der Teilnehmer

 

+
durch Taufe

 

 

+
durch Glaube, Gehorsam ,
Gerechtigkeit

 

Reinheit des Herzens und des Gewissens

 

 

В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В В 

 

Didache
2. Jh.

 

Justin
2. Jh.

 

Irenäus von Lyon
2. Jh.

 

Augustin
354-430 u.Z.

AmbrosiusВ В 

 

Missale
Romanum
16. Jh.

 

Opfervorstellung

 

+

 

 

+

 

+

IV. Jh.

 

+

Das Abendmahl des römischen Messkanons im Kontext der Geschichte der Kirchenliturgie

 "Die Liturgie der Messe ist so ein recht kompliziertes Gebilde geworden, in dessen Einzelheiten sich nicht jeder sofort zurechtfindet."В  (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia. S. 2.) Das betrifft auch das Abendmahl.

Die einzelnen liturgischen Teile des römischen Missale, die kirchengeschichtliche Entwiklung erlebten sind folgende:

Einladung zum Gebet. Dass sich die Worte der Einladung zum Gebet (mit einigen Varianten) in allen christlichen Li­turgien ohne Ausnahme findet, beweist das Alter und Gewicht dieser Worte. Schon der Vorsteher des jüdischen Mahles vergewisserte sich, sobald er die Danksagung über den „Becher der Segnung“ begann, der Anteilnahme der Tischgäste durch die Einladung: “Lasset uns danksagen!“.

Offertorium stammt, wie man sich denken kann, aus der jГјdischen Tradition.

Praefatio

Von welchem Zeitpunkt an der Ausdruck praefatio verwendet wurde, der in Hadrianum dem Vere dignum der Eigenmessen als Über­schrift dient, ist schwer zu bestimmen. Jedenfalls verwendet schon im 6. Jh. der Liber Pontificalis im Zusammenhang mit Gelasius diesen Aus­druck. Was bedeutet er aber? Es scheint nahezulegen, dass der Ausdruck praefatio in der christlichen Sprache des 3. Jhs. eine Art Einleitung zum Gebet bedeutete. Anderseits hat J. A. Jungmann die Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, dass das prae in praefatio den Sinn von pro haben und das Wort ursprünglich, das ganze, laut vorgetragene eucharistische Hochgebet bezeichnet haben könnten. Wie dem auch sei, „...Präfation — im heutigen Sinn — und Kanon ur­sprünglich ein Ganzes bildeten.“ (Handbuch der Liturgiewissenschaft. 2 Bd., S. 411.)
Das Wort praefatio hatte im profanen Latein zunächst den Sinn einer zeitlich vorausgehenden Rede; davon erhielt es in der gallikanischen Liturgie die Bedeutung einer ans Volk gerichteten, die Oration einleitenden Gebetseinladung. Im späteren Latein wurde das Wort aber auch im Sinne eines räumlichen Gegenüber gebraucht: Kundmachung, Verkündigung; von hier aus erhielt es in der römischen Liturgie die Bedeutung: (vor anderen) laut vorgetragenes Gebet, fast praedicatio. Die Praefatio ist, besonders in der Messe, vor allem Dankgebet. Hauptgegenstand des Dankes ist in der Präfatio das von Gott im Werke der Erlösung durch Chri­stus geschenkte Heil, in der Frühzeit und in man­chen orientalischen Texten in breiter heilsgeschichtlichen Ausführung (nur selten auch Hinweise auf Wohl­taten der Schöpfungsordnung).
Im römischen Brauch blieb vom 4. Jh. an nur mehr der erste Teil des Kanons vor dem Sanctus, d.h. die Präfation, auswechselbar; es gab ausserdem nur an bestimmten Tagen einige Erweiterungen (Embolismen) in den Gebeten des zweiten Teiles, deren Anzahl jedoch, vor allem seit dem Pontifikat Gregors dem Grossen (590-604), stark abnahm.

Sanctus

Das Sanctus wurde, vielleicht nach Vorbild des jüdischen Gebetsgottesdienstes wohl schon früh im liturgischem Gebet der Kirche verwendet. Um 400 noch als vorwiegend orientalischer Brauch erwähnt, ist das Sanctus wenig später, wohl wegen sei­ner trinitarischen Deutung, auch im Westen überall üblich.

Einsetzungsberichte

“Der römische Kanon sagt pridie guam pateretur, wie schon Ambrosius, wäh­rend die Liturgien des Ostens und das mozarabische Missale    in qua nocte tradebatur vorgezogen haben. Eievatis oculis in caelum, aus dem Bericht über die Brotvermehrung entlehnt, „findet sich in den meisten orientalischen Liturgien, einige der ältesten ausgenommen.“ Hippolyt kennt sie noch nicht. Mysterium fidei, vielleicht von 1 Tim 3, 9 herzuleiten, ist Beifügung zu Calix Sanguinis mei; der Ursprung dieses Einschubs  ist umstritten.
Zunächst in der Richtung auf eine genauere Par­allelisierung bei Brot und Kelch, indem z. B. die bei Hippolytos nur beim Brot stehenden Worte tibi gratias agens auch beim Kelch hinzugenommen werden. Weiter vollzieht sich eine wachsende Angleichung an biblische Texte, so dass im römischen, bereits im Sakramentar Gregors des Grossen gebotenen Einsetzungsberichte aus dem ganzen biblischen Bestand fast nur mehr das bei Paulus und Evangelium nach Lukas zu corpus hin­zutretende quod pro vobis tradetur fehlt (auf­fälligerweise, obwohl es nämlich bei Hippolytos Ambrosius bezeugt ist). Als weitere Ausgestal­tungtreten hinzu die einleitende Zeitangabe, die Erwähnung des Aufblicks zum Vater (wie bei der Brotvermehrung), sodann schmüc­kende Erweiterungen wie in sanctas ac venera­biles manus suas, und auch das seit dem 7. Jh. bezeugte mysterium fidei, mit dem der (vom Diakon verwaltete (wie es im 1 Tim 3, 9 ist) Kelch als geheimnisvolles Wahrzeichen des Glaubens um­schrieben wird. Wahrscheinlich ist diese wie die meisten anderen Erweiterungen gegenüber dem von Am­brosius bezeugten Einsetzungsberichte mit Capelle auf eine im 6. Jh. bewusst vollzogene Textrevision zurückzuführen.

Oblation

Der wichtige Unterschied besteht jedoch im Schluss: Das ambrosianische Quod est figura corporis et sanguinis domini nostri Jesu Christi wurde zum gregorianischen Ut nobis Corpus et Sanguis fiat dilectissimi filii tui, Domini nostri Jesu Christi.
So betonte die älteste Formulierung unmittelbar vor der Konsekration die symbolische und sakramentale Prägung der Opfergaben, die für die Väter des 4. Jh. ausserordentlich lebendig und eindrucksvoll war.
Tridentinum erhebt den Opferckarakter der Messe gegen die Reforma­toren zum formellen Dogma: die Messe ist wahres und eigenes Opfer, in dem die Priester Christi Leib und Blut darbringen. Sie ist von Christus Selbst eingesetzt, nicht nur Lob- und Dankopfer oder leeres (Opfer-Christi-) Gedächtnis, sondern Sühneopfer für die Lebenden und Verstorbenen.

Besass der römische Kanon ursprünglich eine Epiklese?
Hippolyt fГјgt seiner Anamnese unmittelbar folgendes Gebet an: Et
petimus, ut mittes Spiritum tuum sanctum in oblationem sanctae Ecclesiae.
Die Liturgien des Ostens bringen alle an dieser Stelle der Anaphora eine ähnliche Anrufung des Heiligen Geistes, er möge auf die Opfergaben herabsteigen. Der von Ambrosius bezeugte Kanon enthält nur den Gedanken einer Erhebung der Opfergabe bis zum himmlischen Altar, also eine durchaus andere Perspektive.
Es ist also nicht leicht ersichtlich, wie eine echte an den Heiligen Geist gerichtete Epiklese in einem Text wie dem von Ambrosius zitierten ent­halten sein konnte. Und doch schrieb Papst Ge!asius (492—496) dem Bischof von Volterra: „Wie kann der zur Konsekration des göttlichen Mysteriums angerufene himmlische Geist herabkommen, wenn der Prie­ster, der ihn um sein Kommen bittet, mit Untaten belastet ist?“ (Handbuch der Liturgiewissenschaft.
2 Bd., S. 431.) Hat also eine solche Epiklese zu Ende des 5. Jhs. existiert, dann ist sie spurlos verschwunden.

"Die Liturgie der Messe ist so ein recht kompliziertes Gebilde geworden, in dessen Einzelheiten sich nicht jeder sofort zurechtfindet."В  (Josef A. Jungmann: Missarum Sollemnia. S. 2.)

Kurzfassung

Seit 1570 hat sich am Messkanon praktisch nichts geändert. Er hat sogar die Kritik der Reformation erfolgreich überlebt: der Grund dafür war, dass der Text des Kanons als die Apostolische Tradition zu betrachten ist. Aber der Einfluss der Reformation ist trotzdem deutlich spürbar: man findet ihn im Kommuniongebet, im Streichen der Opfertermenologie, in der Kommunionformel, in der Ermahnung nach dem Wortgottesdienst und in der sogenannten "Black Rubric" (über das Knien während der Kommunion).
Auch der II. Vatikanische Konzil hat durch grosse Änderung der Liturgie auch den Kanon etwas geändert. Hinzu kamen lediglich eine wachsende Flut von Heiligenmessen, einige neue Präfationen, die Ge­bete Leos XIII nach der „privaten“ Messe, die 3 Messen am Allerseelentage. Der erste neue Durchbruch war die Erneuerung der  Karwoche durch Pius XII.
Man kann auch sagen, dass seit 1588 die Geschichte der abendlänischen Messe praktisch mit der Geschichte des Missale Romanum zusammenfällt.

Trotz der Varianten, die eine unbestreitbare literarische EntwikIung im gregorianischen Text zeigen, ist es zu bemerken, dass der Sinn des ambrosianischen Kanons in der Hauptsache mit dem Sinn des römischen identisch ist.

Wie schon gesagt worden ist, ist das Abendmahl im römischen Messkanon äusserst gut gedacht: in ihm ist die Eucharestie ein wahres Sakrament, wo der wahre identische Leib und das wahre Blut Jesu wirklich gegenwärtig. Aber das Abendmahl des katholischen Gottesdienstes kann uns als ein mysteriöses Geschehen erscheinen, welches das inhaltliche Sakrament bei Seite lässt, und das Äussere akzentuiert. Für die katholischen Gläubigen ist es weit nicht so:
"Die Lehre des Konzils von Trient hat eine grosse Ausstrahlung auf die Frömmigkeit gehabt, besonders auf das Verständnis der Eucharestie. " (Wegman A.J., Hermann: Geschichte der Liturgie.
S. 261.)
Hugo Ball, der Dramaturg: "FГјr den Katholiken kann es eigentlich kein Theater geben. Das Schauspiel, das ihn beherrscht und ihn allmorgendlich gefangennimmt, ist die heilige Messe."
(Hennings-Ball, E.: Hugo Balls Weg zu Gott. MГјnchen 1931 S. 42.)

Die Themen zum Abendmahl

Der Begriff "Abendmahl"

Der Sinn des Abendmahls


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